„Was die PKV bei Psychotherapie leistet, hängt von den Vertragsbedingungen ab“

Depressionen, Burnout und Co.

Depressionen, Burnout und Co.

Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch und kosten die private Krankenversicherung viel Geld. Daher sollten Berater und Kunden beim Abschluss einer PKV auf die Details achten.

Jeder dritte Deutsche leidet an Depressionen oder einer anderen psychischen Störung.

Diese gesundheitspolitische Herausforderung schlägt sich auch in der privaten Krankenversicherung (PKV) nieder. Dort sind Erkrankungen der Psyche einer der häufigsten Gründe für die Inanspruchnahme von Leistungen.

Die Palette der Krankheitsbilder dabei ist vielfältig, besonders häufig sind Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen. „Auch organisch bedingte psychische Störungen, einschließlich Demenz und Verhaltensstörungen wie Ess-, Schlaf- und Sexualstörungen sowie Persönlichkeitsstörungen gehören dazu“, sagt Vera Willig, Gesellschaftsärztin der Inter Versicherungsgruppe. Ein Burnout hingegen werde nicht als Krankheit definiert, sondern sei eine Zusatzdiagnose, die Fachärzte eher selten stellten.

Entsprechend wichtig ist das Thema Psyche im Beratungsgespräch, denn die PKV-Tarife unterscheiden sich in ihren Leistungen in diesem Bereich mitunter erheblich. Das Thema wird von Maklern und Vermittlern aber oft nicht im Detail besprochen. „Unterm Strich erfährt der Kunde meist, dass psychotherapeutische Leistungen zu 100 Prozent abgesichert sind. Er muss sich im Falle eine Depression oder bei Burnout bei der Inter nicht noch zusätzlich Gedanken darüber machen, ob wir alle Sitzungen bezahlen“, sagt Michael Geske, Direktionsbeauftragter Kranken bei der Inter.

Psychotherapie – was ist abgedeckt?

Nicht alle Versicherer übernehmen jedoch bei einer ambulanten Psychotherapie die Kosten komplett. Manche Tarife begrenzen die Erstattung etwa auf 85 Prozent oder sie deckeln die maximal übernommenen Sitzungen auf 30 Sitzungen pro Jahr. Benötigt der Kunde weitere Sitzungen, muss er diese selbst zahlen. „Bei langwierigen psychotherapeutischen Erkrankungen kann das durchaus zu erheblichen Zuzahlungen führen, da eine Sitzung schnell an die 100 Euro oder mehr kosten kann“, so Geske. Umso wichtiger ist für Berater und Kunde vor Abschluss der Blick ins Bedingungswerk.

Die Psychotherapie gehört zu den wichtigsten nicht-medikamentösen Therapien bei psychischen Erkrankungen und ist in ambulanter Form in der Regel stets von der Leistungspflicht in der PKV umfasst – die Leistung erfolgt nach einer entsprechenden Diagnose. Bei der Inter etwa wird der Antrag vom Therapeuten gestellt. Dies kann formfrei erfolgen oder aber auch mit Hilfe von Antragsunterlagen. „Für eine Kurzzeittherapie, welche regelmäßig bis zu 25 Sitzungen inklusive probatorischer Gespräche umfasst, ist kein ausführlicher Bericht notwendig. In diesen Fällen genügt die Diagnose“, sagt Karl-Heinz Seiffert, Bereichsleiter Kranken der Inter. Bei einer Fortführung oder einer Langzeittherapie ist jedoch ein ausführlicher Antrag notwendig.

Einige Versicherer prüfen in einer Woche

„Die Antragsunterlagen werden bei der Inter ausschließlich durch den medizinischen Dienst bewertet. Das Ergebnis der Bewertung, welches regelmäßig nach einer Woche, in seltenen umfangreichen Fällen spätestens nach zwei bis drei Wochen vorliegt, wird an einen Sachbearbeiter zur Prüfung der vertraglichen Gegebenheiten abgegeben“, schildert Seiffert den Antragsprozess.

Das Leistungsniveau der PKV im Bereich der psychischen Erkrankungen gilt branchenweit als gut. Wohl dem, der versichert ist. Wer jedoch bereits eine psychische Vorerkrankung hat, hat wegen der Risikoprüfung der Versicherer kaum eine Chance, eine private Krankenversicherung zu bekommen. Gab es früher bei den ersten Anzeichen einer psychischen Vorerkrankung reihenweise pauschale Ablehnungen, prüfen heute zumindest einige Anbieter jeden Fall einzeln.

Wenig Chancen bei psychischen Vorerkrankungen

„Wir lehnen solche Erkrankungen nicht generell ab, sondern steigen in eine Einzelfallprüfung ein. Wir prüfen individuell und fordern entsprechende Unterlagen und Informationen an, um das Risiko zu beurteilen“, bestätigt Gesellschaftsärztin Vera Willig. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man bereits wegen einer psychischen Erkrankung im Krankenhaus war oder lediglich bei einer psychotherapeutischen Beratungsstelle an der Universität wegen Prüfungsangst in Beratung war. Das Ergebnis der Einzelfallprüfung besteht dann in einer Ablehnung oder womöglich in einer Annahme mit einem Risikozuschlag oder einem Leistungsausschluss.

Wir danken der Pfefferminzia für die freundliche Unterstützung – Autor: Oliver Lepold

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