Zahnstaffeln, Zahnstatus, Beitragsanpassungen

Zahnstaffeln, Zahnstatus, Beitragsanpassungen

Zahnzusatzpolicen sind unter den privaten Zusatzversicherungen seit Jahren am beliebtesten. Trotzdem scheuen manche Bundesbürger einen Abschluss, weiß Finanzberater Dominik Hartmann. Das liegt vor allem daran, dass Recherchen im Internet die Interessenten mehr verwirrt als sie erhellt. Er hat daher zusammengefasst, worauf man beim Kauf einer Zahnzusatzversicherung achten sollte.

Laut aktuellen Umfragen sind Zahnpolicen die Zusatzversicherungen, an denen die meisten Bundesbürger grundsätzlich Interesse haben. Trotzdem besitzen nur etwa 11 Prozent der Haushalte eine oder gar mehrere Zahnzusatzversicherungen.

Woran liegt das? Die Nachfrage kommt sicherlich daher, dass für Patienten beim Zahnersatz sehr hohe Zuzahlungen entstehen, die schnell ans Eingemachte gehen. Patienten nehmen hierfür Kredite auf, Zahnärzte bieten Finanzierungsmodelle und Ratenzahlungen an, sollte der Betrag sehr hoch sein.

Hier kann eine vernünftige und sorgsam ausgewählte Zahnzusatzversicherung vorsorglich abgeschlossen werden. Aus meiner täglichen Praxis kann ich berichten, dass sehr viele Interessenten zunächst im Internet schauen und sich Rat suchen, aber häufig dann aufgrund der schlechten Informationen im Internet und der Tatsache, dass jeder Tarif irgendwie und irgendwo Testsieger ist und die Bezeichnung „ sehr gut“ trägt, dann doch nicht abgeschlossen wird. Auch werden Zahnärzte und das Personal, meiner Erfahrung nach, zu diesem Thema befragt, können häufig jedoch keine Auskunft dazu geben.

Wonach entscheidet man also, welcher Tarif der Richtige ist?

Grundsätzlich sollte man sich klar machen, dass es die sogenannte Regelversorgung gibt. Das ist eine von den gesetzlichen Krankenkassen festgelegte Art der zahnärztlichen Versorgung, die das Wirtschaftlichkeitsgebot gemäß Sozialgesetzbuch erfüllt. Sie muss also vor allem kostengünstig und zweckmäßig sein. Viele Zahnärzte rechnen aber nach der GOZ, der Gebührenordnung für Zahnärzte, ab und häufig sind diese Kosten dann deutlich höher. Aber wer will beim Zahnersatz schon zweckmäßig behandelt werden, wenn er auch eine bessere Behandlung bekommen kann, die womöglich länger hält und schöner aussieht.

Hier ist schon mal die erste individuelle Stellschraube auf der Suche nach dem passenden Tarif. Wenn man keinen Wert auf hochwertigen Zahnersatz legt, kann man einen sehr günstigen Tarif finden. Hier sollte man jedoch auch sicher sein, dass man diese Behandlung dann beim Zahnarzt auch bekommt. Erfahrungsgemäß entscheiden sich die meisten Kunden für einen hochwertigen Schutz, weil diese Wert darauf legen, schöne Zähne zu haben und gut versorgt zu sein.

Was sind Möglichkeiten und Bausteine, die man mitversichern kann?

Einer der wichtigsten Merkmale des Tarifs ist sicherlich die prozentuale Erstattung bei privatärztlicher Behandlung (GOZ) und bei der Regelversorgung. Schließt man einen Tarif mit beispielsweise 75 Prozent Erstattung ab, so erstattet dieser 75 Prozent des Rechnungsbetrages für Zahnersatz abzüglich der Vorleistung durch die Krankenkasse. Hierdurch reduziert sich der Eigenanteil auf 25 Prozent des Rechnungsbetrages. Wählt der Kunde 90 Prozent, hat er einen Eigenanteil von lediglich 10 Prozent.

Viele Versicherer haben Bonusmodelle, die sich nach der nachgewiesenen Vorsorge und regelmäßigen Zahnarztbesuchen richten. So kann in manchen Tarifen die prozentuale Erstattung für Zahnersatz um 10 Prozent erhöht werden. Meist dann, wenn das Bonusheft lückenlos fünf Jahre am Stück zum Zeitpunkt der Rechnungseinreichung geführt worden ist.

Zusätzlich findet man bei hochwertigen Tarifen eine Erstattung für Zahnbehandlung und auch für die professionelle Zahnreinigung (PZR). Besonders bei der PZR variieren die Leistungen sehr stark. Manche Tarife erstatten 50 Prozent, andere 75 Prozent bis 150 Euro pro Jahr, wiederum andere 100 Prozent ohne Begrenzung, 2×75 Euro, 2×60 Euro, 100 Prozent bis 120 Euro und so weiter. Wenn man einen festen Zahnarzt hat und dieser Beispielsweise pro PZR 60 Euro berechnet, könnte man mit einem Tarif, der 2×60 Euro pro Jahr oder 100 Prozent bis 120 Euro pro Jahr und mehr erstattet, seinen Eigenanteil auf 0 Euro reduzieren. Führt man diese regelmäßig durch, kann eine Zusatzversicherung mit Erstattung für die PZR sich also schnell rechnen.

Wo liegen mögliche Fallstricke bei Zahnzusatzversicherungen?

Wartezeit

Diese liegt in der Regel zwischen drei bis sechs Monaten für Zahnbehandlungen und sechs bis acht Monaten für Zahnersatz. Natürlich gibt es auch Tarife ohne Wartezeit, die gängigsten und leistungsstarken haben jedoch häufig eine.

Zahnstaffel

Hier wird häufig viel falsch erklärt, auch von erfahrenen Beratern. Hat ein Tarif beispielsweise eine fünfjährige Zahnstaffel mit jeweils Jahreshöchstgrenzen der Erstattung, so wird immer das aktuelle Jahr zur Berechnung herangezogen, aber auch die vorangegangenen Jahre. Beispiel: 1. Jahr: 1.000 Euro, 1.-2. Jahr 2.000 Euro, 2.-3. Jahr 3.000 Euro und so weiter.

Bei diesem Beispiel kann der Kunde im ersten Jahr bis zu 1.000 Euro von der Zusatzversicherung erhalten. Im zweiten Jahr hätte er dann jedoch nur noch 1.000 Euro „Budget“. Wenn er im ersten Jahr keine Rechnungen eingereicht hat, kann er bis zu 2.000 Euro bekommen. Bei 500 Euro Erstattung im ersten Jahr, 0 Euro Erstattung im zweiten Jahr, kann der Kunde im 3. Jahr maximal 2.500 Euro in Anspruch nehmen.

Bei Tarifen mit Zahnstaffel sollte man darauf achten, dass der Zeitraum der Zahnstaffel möglichst kurz ist, die Erstattungen so hoch wie möglich sind und es sich nicht um eine dauerhafte Zahnstaffel handelt.

Zahnstatus und fehlende Zähne

Zunächst einmal muss sichergestellt werden, dass die Angaben wahrheitsgemäß und vollständig gemacht werden. Bei Zweifeln sollte der Zahnarzt kontaktiert werden. Fehlende Zähne müssen mit der genauen Anzahl angegeben werden, wobei Milch- und Weisheitszähne nicht zählen, ebenso wenig wenn vollständiger Lückenschluss vorliegt.

Bei fehlenden Zähnen reagieren die jeweiligen Versicherer auf unterschiedlichste Weise. Einige Anbieter versichern einen fehlenden Zahn ohne Risikozuschlag und Ausschluss mit. Für einen Kunden mit einem fehlenden Zahn ist dies natürlich eine sehr gute Variante. Andere Versicherer berechnen einen monatlichen pauschalen Risikozuschlag, meist zwischen 4 und 5 Euro pro Zahn. Andere nehmen 20 Prozent des Monatsbeitrags pro Zahn oder bieten ohne Zuschlag eine verdoppelte Zahnstaffel über einen Zeitraum von zehn Jahren an. Wenige bieten kein Angebot an für fehlende Zähne. Auch hier sollte individuell geprüft werden was die beste Variante ist, sofern man fehlende Zähne hat.

Art der Kalkulation

Zahnzusatzversicherungen können mit und ohne Alterungsrückstellungen abgeschlossen werden. Ohne bedeutet: Es gibt keinen Beitragsvorteil, wenn man den Tarif früh abgeschlossen hat, denn man rutscht immer in die nächste Alterskategorie und zahlt einen dem Alter entsprechenden Beitrag. Dies nennt man Art der Schadenversicherung. Von Art der Lebensversicherung spricht man, wenn ein Beitrag von vorne herein mit einem möglichst konstanten Beitrag kalkuliert wird. Sprich anfänglich zahlt man etwas mehr, um mit zunehmendem Alter den Beitrag dadurch finanzieren zu können. So wird es ja auch bei der privaten Krankenvollversicherung gemacht. Allerdings sollte man dabei auch auf den nächsten Punkt achten.

Beitragsanpassungen

Grundsätzlich können die privaten Krankenversicherer ja bekanntlich die Beiträge anpassen, wenn die tatsächlichen Gesundheitsausgaben gestiegen sind. Da es sich bei Zahnzusatzversicherungen um prozentuale Erstattungssätze handelt, sind diese Tarife natürlich auch hiervon betroffen. In viele Statistiken lässt sich ablesen, dass diese Ausgaben tatsächlich konstant steigen, zum Beispiel durch  steigende Löhne und Materialmehrkosten.

Tarifmäßige Besonderheiten und Einschränkungen

Hier liegt der Teufel im Detail. So haben manche Versicherer beispielsweise eine Beschränkung bei der Art der Versorgung, also beispielsweise keine Leistung für Implantate oder Inlays, oder aber die Beschränkung einer bestimmten Anzahl von Implantaten pro Kiefer. Das sollte man als Kunde und Patient wissen, damit es später nicht zu einer bösen Überraschung kommt.

Ein anderer Punkt ist die Berechnungen der Jahre bei der Zahnstaffel. Hier gibt es eine Unterscheidung zwischen Versicherungsjahr (volle zwölf Monate) und Kalenderjahr. Soll es zum Beispiel nach neun Monaten zu einer Erstattung bei einem Rechnungsbetrag von 2.000 Euro kommen, kann bei 90 Prozent der Eigenanteil zwischen 200 und 1.000 Euro liegen. Ein sehr großer Unterschied, meines Erachtens.

Fazit

Das Thema Zahnzusatzversicherung kann sehr komplex sein und man kann schnell in eine Falle tappen. Am besten überlegt man sich genau, welche der oben genannten Punkte für einen wichtig sein könnte, und berücksichtigt die Fallstricke. Wenn man sich rechtzeitig um diese Absicherung kümmert, kann man viel Geld einsparen und mit gutem Gefühl zum Zahnarzt gehen. Wenngleich die Zusatzversicherung nicht vor Schmerzen, dicken Backen und Angst vor dem Zahnarztbesuch schützen kann, die Angst vor der Rechnung kann jedoch genommen werden.

Über den Autoren

Dominik Hartmann arbeitet als selbstständiger Finanzberater in Köln. Seit dem Absolvieren seiner Ausbildung bei Swiss Life Select zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK) berät er Privatkunden rund um die Themen Versicherungen, Altersvorsorge, Finanzierung und Geldanlage und hat zusammen mit Zahnärzten aus Köln und Umgebung ein Netzwerk für Patienten aufgebaut, die sich für das Thema Zahnzusatzversicherungen interessieren.

Mit freundlicher Unterstützung durch die Pfefferminzia – Autor: Dominik Hartmann

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