Gastbeitrag von Timo Suchert, VHV Allgemeine Versicherung

Gastbeitrag von Timo Suchert, VHV Allgemeine Versicherung

Die meisten privaten Drohnenbesitzer wissen nicht, dass die normale Privat-Haftpflichtversicherung bei Unfällen häufig nicht ausreicht. Der Grund ist eine für den Laien paradoxe Situation.

Im juristischen Sinn sind Multicopter, wie die umgangssprachlich genannten “Drohnen” auch heißen, Luftfahrzeuge (Paragraf 1, Absatz 2 Luftverkehrsgesetz/LuftVG) und werden nach der Art ihrer Verwendung unterschieden:

Private versus gewerbliche Nutzung

Bei privater Nutzung (“zu Zwecken des Sports und der Freizeitgestaltung”) spricht man von Flugmodellen. Bei gewerblicher Nutzung hingegen nennt man sie “unbemannte Luftfahrtsysteme” (auch UAV = unmanned aerial vehicle). Es kommt dabei ausschließlich auf die jeweilige Nutzung an, obwohl es sich um ein und dasselbe Gerät handeln kann.

Aus dieser Unterscheidung ergeben sich unterschiedliche Regelungen unter anderem zur Haftung und Nutzung. Für Luftfahrzeuge gibt es neben der klassischen Verschuldenshaftung gemäß Paragraf 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) auch eine Gefährdungshaftung (Paragraf 33 LuftVG).

Das heißt, jeder Halter eines Luftfahrzeugs – egal ob die Lufthansa für den Airbus oder der Hobbypilot für seinen Multicopter – haftet unabhängig vom persönlichen Verschulden für Personen- und Sachschäden, die beim Betrieb des Luftfahrzeugs verursacht werden.

Haftpflichtversicherung Pflicht

Ähnlich wie beim Kraftfahrzeug muss er dafür eine Haftpflichtversicherung (Pflichtversicherung) abschließen. Flugzeuge und gewerblich eingesetzte Drohnen von Unternehmen werden überwiegend professionell versichert.

Die meisten privaten Drohnenbesitzer wissen jedoch nicht, dass die normale Privat-Haftpflichtversicherung (PHV) dafür häufig nicht ausreicht. Der Grund ist eine für den Laien paradoxe Situation: Nicht versicherungspflichtige Fluggeräte werden in der Regel von der PHV abgesichert, versicherungspflichtige dagegen bislang noch selten.

Der Hintergrund: Bis zum Jahr 2005 gab es eine Ausnahmeregelung in der Luftverkehrs-Zulassungsordnung (LuftVZO), nach der unter anderem Flugmodelle bis fünf Kilogramm Höchstgewicht ohne Verbrennungsmotor von der Versicherungspflicht ausgenommen waren. Diese Flugmodelle waren in der PHV versichert.

In Folge der Gesetzesänderung passten die Versicherer ihre Bedingungen an und beschränkten ihren Versicherungsschutz auf nicht versicherungspflichtige Flugmodelle, die es praktisch aber nicht mehr gibt. Denn nach der aktuellen LuftVZO ist jetzt jedes noch so kleine Flugmodell versicherungspflichtig. Damit deckt die PHV auch Drohnen nicht mehr ab.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV) versuchte mehrfach, den Gesetzgeber zu überzeugen, die alte Regelung wiederherzustellen. Leider ohne Erfolg. Aktuell bereitet die Bundesregierung eine sogenannte Drohnenverordnung vor.

Aufgrund der stark wachsenden Anzahl von Drohnen und der damit verbundenen Gefahren soll insbesondere die private Nutzung stärker reglementiert und eingeschränkt werden. So sind unter anderem eine Kennzeichnungspflicht sowie verschiedene Betriebsverbote vorgesehen.

Keine verbraucherfreundliche Regelung geplant

Eine verbraucherfreundlichere Regelung zur Pflichtversicherung ist aber nicht geplant. Lediglich eine Abgrenzung zum Spielzeug soll enthalten sein, und zwar für “Produkte, die dazu bestimmt oder gestaltet sind, von Personen unter 14 Jahren zum Spielen verwendet zu werden”. Ob das in der Praxis wirklich hilfreich ist, darf bezweifelt werden.

Insofern wird diese Verordnung nichts an der unbefriedigenden Situation für private Drohnenbesitzer ändern. Die Konsequenz dieser Regelung ist, dass jeder Drohnenbesitzer eine separate (und kostenpflichtige) Luftfahrt-Haftpflichtversicherung abschließen müsste, die als Einzelvertrag bei einigen wenigen Versicherern oder ansonsten auch über Modellflugvereine und –verbände erhältlich ist.

Kaum Versicherungsschutz

Praktisch bedeutet das, dass sich bislang nur ein Bruchteil der Betroffenen versichert hat und die meisten privaten Drohnen ohne Versicherungsschutz durch die Gegend fliegen.

Im Schadenfall kann das teuer werden und der Pilot macht sich außerdem strafbar. Einige Privathaftpflicht-Versicherer haben im Sinne des Verbraucherschutzes reagiert und den Versicherungsschutz erweitert.

Somit muss sich jeder Betroffene selbst darum kümmern und sich entweder über einen gesonderten Vertrag, einen Verein oder seine Privathaftpflicht ausreichenden Versicherungsschutz besorgen.

Der Autor Timo Suchert ist Leiter Produktmanagement Sach-, Haftpflicht und Unfallversicherung bei der VHV Allgemeine Versicherung AG.

Vielen Dank an Cash.Online

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