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Eine Vollkaskoversicherung ersetzt die Schäden, die am eigenen Auto entstehen - zum Beispiel nach einem selbst verursachten Unfall.

Eine Vollkaskoversicherung ersetzt die Schäden, die am eigenen Auto entstehen – zum Beispiel nach einem selbst verursachten Unfall.

Eine Vollkaskoversicherung fürs Auto lohnt sich schon nach wenigen Jahren nicht mehr – Pfefferminzia zeigt, was an dieser beliebten These dran ist, worin sich Voll- und Teilkasko unterscheiden und was Versicherte bei der Tarif-Auswahl beachten sollten.

Zertrümmerte Scheiben an rund 200 Autos sowie zahlreiche beschädigte Fahrzeuganhänger mit aufgeschlitzten Planen – die Bilanz dieser nächtlichen Zerstörungswut ist für die Polizei im Kreis Steinfurt alles andere als alltäglich. Die beiden 19-jährigen Täter konnten ihr kriminelles Treiben über mehrere Wochenenden fortsetzen, ehe sie eine Zivilstreife der Polizei stellte. Das Motiv der Jugendlichen: „Frust aufgrund ihrer persönlichen Lebenssituationen“, berichten die Ermittler im März 2017. Der Gesamtsachschaden liegt „deutlich im sechsstelligen Bereich“. Nach dem ersten Schock dürften sich viele der gut 200 Autobesitzer fragen, ob ihre Kaskoversicherung eigentlich für die Zerstörung der Vandalen aufkommt? Tatsächlich springt die Teilkaskoversicherung dem Geschädigten in sehr vielen Schadenszenarien bei – als da wären: Brand und Explosion, Entwendung, Sturm und Hagel sowie Blitzschlag, Glasbruch, Überschwemmung, nach einem Zusammenstoß mit Haarwild – und sogar bei Kurzschlussschäden an der Verkabelung (siehe Grafik unten).

Quelle: GDV

Quelle: GDV

Allerdings fehlt in der Aufzählung das entscheidende Merkmal: Vandalismus. Dieses gehört nicht zum Leistungsspektrum der Teilkaskoversicherung – dazu muss der Halter eine Vollkaskoversicherung abschließen. Letztere deckt einerseits „alle Fälle, die auch in der Teilkasko versichert sind“ ab, weiß Rechtsanwalt Stefan Piotrowski von SH Rechtsanwälte. Schutz gibt es zudem bei „mut- oder böswilligen Handlungen von Personen, die nicht berechtigt sind, das Fahrzeug zu gebrauchen“. Positiv aus Kundensicht: Zweifelt der Versicherer im Rahmen der Regulierung an, dass eine nicht berechtigte Person den Wagen beschädigt hat, muss der Versicherer beweisen, dass der Täter in Wirklichkeit eine berechtigte Person war.

Deutsche haben fast 28 Millionen Vollkaskopolicen abgeheftet

Doch das Leistungsspektrum der Vollkasko hat sich damit noch nicht erschöpft: So werden alle weiteren Schäden ersetzt, die am eigenen Auto entstehen, zum Beispiel nach einem selbst verursachten Unfall. Doch die Sache hat auch einen Haken: Übernimmt die Vollkaskoversicherung den kompletten Schaden, so muss der Fahrzeughalter damit rechnen, in der Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) hochgestuft zu werden oder eine höhere Selbstbeteiligung zu akzeptieren. Um den wertvollen Schadenfreiheitsrabatt nicht zu verlieren, entscheiden sich viele Versicherte am Ende doch dafür, die Reparaturkosten lieber selbst zu tragen. Das kann viele Autofahrer aber nicht davon abhalten, sich für die teuerste der drei Versicherungsvarianten zu entscheiden: Neben den 62 Millionen Kfz-Haftpflichtversicherungen, deren Abschluss gesetzlich vorgeschrieben ist, haben die deutschen Autofahrer noch knapp 28 Millionen Vollkasko-Policen in ihren Versicherungsordnern abgeheftet (siehe Grafik unten).

Quelle: GDV

Quelle: GDV

„Bis zu einem Fahrzeugalter von acht Jahren entscheiden sich über 50 Prozent aller Pkw- Besitzer bei Abschluss einer Autoversicherung für eine Vollkaskoversicherung“, sagt Frederik Hesse, Abteilungsleiter Kfz Privat bei den VHV Versicherungen. Bei einem niedrigeren Fahrzeugalter seien die Anteile noch deutlich höher. „Ist das Fahrzeug höchstens zwei Jahre alt, liegt der Vollkasko-Anteil sogar bei über 90 Prozent“, so Hesse.

„These weit überwiegend nicht zutreffend“

Doch wie vertragen sich diese Abschlusszahlen eigentlich mit der beliebten Faustregel, dass sich eine Vollkaskoversicherung nicht mehr lohnt, nachdem das Auto bereits wenige Jahre auf der Straße zugebracht hat? Experten halten von dieser Formel nicht sonderlich viel –  so auch Björn Weikert, Geschäftsführer des Makler-Vergleichsportals Procheck 24: „Diese These ist sicher weit überwiegend nicht zutreffend. Die meisten Fahrzeuge weisen auch nach zwei Jahren noch einen Zeitwert auf, bei dem eine Vollkaskoversicherung sinnvoll ist.“

Quelle: Pfefferminzia, Gutschild

Quelle: Pfefferminzia, Gutschild

Dieser Ansicht ist auch Michael Ludwig, Abteilungsdirektor Kraftfahrt beim BGV / Badische Versicherungen: „Eine Vollkaskoversicherung kostet im Schnitt etwa 270 Euro im Jahr. Der Wert eines beispielsweise drei Jahre alten Fahrzeuges liegt dagegen oft noch deutlich über 10.000 Euro.“ Ludwig empfiehlt BGV-Kunden daher, „eine Vollkaskoversicherung immer mindestens so lange zu halten, bis der Fahrzeugwert weniger als das Dreifache der Vollkasko-Jahresprämie beträgt“. Und offenbar beherzigen viele Versicherte diesen Rat. „Unsere Kunden lassen die Vollkasko traditionell sehr lange bestehen. Wir sehen das oft auch bei Fahrzeugen, die älter als zehn Jahre sind.“ Laut BGV besitzen 65 Prozent der Kasko-Kunden eine Vollkasko und nur 35 Prozent die reine Teilkasko.

Procheck-24-Mann Weikert lässt sich bei der Frage Voll- oder Teilkaskoschutz? allenfalls eine „schwammige Regel“, wie er es nennt, entlocken: „Je höher der Fahrzeugwert und je niedriger der für den Vollkaskoschutz zu zahlende Mehrbeitrag, desto eher ist zu einer Vollkaskoversicherung zu raten.“ In den meisten Fällen ergebe sich daraus „eine klare rationale Entscheidung“, so Weikert. Gleichwohl komme es in vielen Fällen aber auch zu Grenzentscheidungen, bei denen es auf die individuelle Einstellung des Kunden ankommt. „Wie risikobereit ist er? Könnte er den Totalverlust des Fahrzeugs finanziell stemmen?“, fragt der Experte. Bei einem Neufahrzeug sollte grundsätzlich auf eine möglichst lange Neuwertentschädigung geachtet werden. Wohnt der Kunde im ländlichen Bereich, seien für ihn eine erweiterte Wildschadendeckung oder Folgeschäden nach Marderbiss besonders wichtig.

Fallstricke nach der Tarifauswahl

Und gibt es auch Stolperfallen in den  Bedingungswerken der Kfz-Versicherer, auf die Kunden achten sollten? „Als Stolperfallen würde ich die Bedingungswerke der Versicherer nicht bezeichnen“, sagt Weikert. Fallstricke ergeben sich nach seiner Ansicht eher, wenn die Tarifauswahl bereits gelaufen ist, das heißt beim Service oder der Schadenabwicklung einzelner Versicherer. Gleichwohl stellt der Experte fest, dass für den Kunden die Auswahl des  richtigen Tarifs immer schwieriger werde. „Gab es vor gut zehn Jahren vielfach nur einen Tarif pro Versicherer, so sind es heute überwiegend mindestens drei, manchmal sogar noch deutlich mehr.“

Beispiel BGV / Badische Versicherungen: Hier kann der Kunde eine Kfz-Versicherung in den drei Tarifvarianten Basis, Klassik oder Exklusiv abschließen. Das klingt erst mal überschaubar – doch wer glaubt, dabei jeweils eine Haftpflicht-, Teil- und Vollkaskoversicherung vor sich  zu haben, irrt. Vielmehr ist jede dieser drei Tarifausprägungen jeweils mit einer Kfz-Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko kombinierbar. Wer sich also für den Exklusiv-Baustein im Rahmen der Kaskoversicherung entscheidet, kann sich beispielsweise die Werkstatt frei aussuchen, bekommt bei einem Totalschaden die volle Entschädigung des Kaufpreises zugesprochen – und darf 24 Monate lang eine Neuwertentschädigung beanspruchen (auch bei Diebstahl). Zum Vergleich: Die Basis- und die Klassik-Varianten bieten eine Neuwertentschädigung nur bis maximal 6 beziehungsweise 18 Monate.

Entsprechend weist VHV-Manager Hesse darauf hin, dass Kunden bei der Tarifauswahl nicht nur auf Voll- oder Teilkaskoschutz achten sollten, „sondern insbesondere auf die versicherten Leistungen und vor allem auf die geltenden Leistungsgrenzen“.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

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Unfall mit Papas Auto – Kaskoversicherung muss zahlen

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