Schadenfreiheitsklasse beim Motorrad: Das ist zu beachten

Denken Sie an den richtigen Versicherungsschutz als Motorradfahrer

„Easy Rider“-Romantik sucht längst nicht jeder Motorradfan – das Fahren auf zwei Rädern fasziniert auch abseits von Klischees. Doch der Reiz birgt zugleich Gefahren: 2017 verunglückten 514 Biker auf deutschen Straßen tödlich.

Wer sich auf zwei Reifen fortbewegt, fühlt sich oft freier als auf vier Rädern. Doch das hat seinen Preis. Wer sich und seinem geliebten Zweirad etwas Gutes tun will, sollte dabei auch an den richtigen Versicherungsschutz denken.

Ein 46-jähriger Motorradfahrer aus Bamberg begibt sich im August 2018 in Oberfranken mit seiner Maschine auf die Straße. An einer unübersichtlichen Stelle setzt er zu einem Überholmanöver an. Weil er nicht mehr rechtzeitig einscheren kann, stößt er mit einem entgegenkommenden VW Passat zusammen. Der Pkw gerät nach dem schweren Aufprall in den Gegenverkehr und kollidiert mit dem vom Motorradfahrer überholten Transporter.

Der Motorradfahrer wird mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus Bayreuth geflogen – wie durch ein Wunder schwebt er nicht in Lebensgefahr. Die Insassen des VW Passat kommen mit nur leichten Verletzungen davon und werden auf die umliegenden Krankenhäuser verteilt. Auch die Fahrerin des Transporters wird vorsorglich in die Klinik gebracht. Alle drei Fahrzeuge sind zerstört, der Sachschaden beläuft sich auf 50.000 Euro.

Das Unglück, über das der „Bayerische Rundfunk“ zuerst berichtete, ist nur ein Beispiel von vielen Unfällen, in die Biker Tag und Nacht auf deutschen Straßen verwickelt sind – allein 2017 traf dies auf 20.498 Motorradfahrer zu, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Davon verunglückten 7.429 schwer, 514 Fahrer verstarben an den Unfallfolgen.  Dabei gelten die Kradfans in jedem zweiten Fall (52,7 Prozent) als Hauptverursacher für einen Unfall.

Der Gesetzgeber hat also guten Grund dafür, andere Verkehrsteilnehmer vor den Fahrfehlern der Biker zu schützen – und selbstverständlich auch umgekehrt. „Das Pflichtversicherungsgesetz – kurz PflVG – sieht vor, dass für jedes Fahrzeug eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden muss, um Schäden anderer Personen abzusichern“, sagt Rechtsanwalt Thomas Hummel. „Fährt man ohne eine solche Versicherung auf öffentlichen Straßen, macht man sich nach Paragraf 6 PflVG strafbar“, betont er.

Quelle: Kraftfahrtbundesamt/ZIV/Destatis, Illus: sunt/Fotolia, Ibrandify/Freepik
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Ob man eine Kaskoversicherung abschließen möchte, die für eigene Unfallschäden aufkommt, müsse jeder Fahrzeugeigentümer dagegen selbst wissen, so der Anwalt. Versicherungsmakler Maximilian Scharl ergänzt, dass ein Kaskoschutz zwar freiwillig, aber „insbesondere bei neuen oder teuren Maschinen ratsam“ sei.

Doch ein umfassender Schutz hat seinen Preis: „Viele Biker müssen tief in ihre Tasche greifen, um die notwendige Motorradversicherung bezahlen zu können. Gerade bei jüngeren Fahrern und PS-Zahlen von über 100 wird es häufig sehr unangenehm“, weiß Makler Friedrich Kulinna.

Die Analysten des Vergleichsportals Check24 haben im Januar mal genauer nachgerechnet. Als Fallkunde wurde ein 40-jähriger Mann herangezogen, der als Telekom-Angestellter in einem Zweifamilienhaus in Flensburg lebt. Seine Maschine ist eine Enduro Allrounder (BMW F 800 GS, 798 ccm, 63 kW, 85 PS), Neupreis etwa 10.000 Euro. Entscheidet sich der Mann für einen ganzjährigen Versicherungsschutz (Haftpflicht mit Teilkasko, 100 Millionen Euro Deckung), so muss er beim teuersten Vergleichsteilnehmer knapp 154 Euro im Jahr hinlegen, wobei gut 120 Euro auf den Haftpflichtschutz entfallen und rund 34 Euro auf die Teilkasko-Prämie.

Würde nun ein Motorradhalter vom teuersten zum günstigsten Anbieter wechseln, hätte er laut der Beispielrechnung 58 Prozent des Beitrags oder 89,50 Euro im Jahr eingespart und müsste demzufolge nur 64 Euro zahlen.

Saisonzulassung meist günstiger

Allerdings wollen viele Motorradfahrer nur im Sommer aktiv sein – was gilt es hier zu beachten? „Motorradfahrer, die ihr Bike nur im Frühling und im Sommer bewegen wollen, können eine Saisonzulassung beantragen. Damit ist die Maschine nur im vereinbarten Zeitraum versichert, zum Beispiel April bis Oktober, außerhalb des versicherten Zeitraums besteht eine beitragsfreie Ruheversicherung“, sagt Makler Scharl. „Motorräder mit Saisonzulassung erhalten ein besonderes Kennzeichen, welches am rechten Rand den Versicherungszeitraum eingestanzt hat.“

Und wie wirkt sich der verkürzte Zulassungszeitraum auf den Geldbeutel aus? Im Vergleich der je fünf günstigsten Versicherungstarife spart ein Motorradfahrer laut Check24-Analyse mit einem Saisonkennzeichen von März bis einschließlich Oktober im Schnitt 29 Prozent gegenüber einem ganzjährigen Angebot. Und wer bereits ein Saisonkennzeichen sein Eigen nennt, kann bis zu 58 Prozent durch den Wechsel zu einem anderen Anbieter sparen.

Dabei gilt hier, dass das Motorrad mindestens sechs Monate angemeldet wird, „da der Halter nur so nach einem unfallfreien Jahr in eine höhere Schadenfreiheitsklasse eingestuft wird“, sagt Check24-Manager Tobias Stuber. Die weiteren Vorteile eines Saisonkennzeichens sind, dass der Versicherungsnehmer nicht zwei Mal im Jahr die Zulassungsstelle aufsuchen muss, um sein Motorrad an- beziehungsweise für den Winter vorübergehend wieder abzumelden.

Tarife genau vergleichen

Besonders für Saisonfahrzeuge sollte der Versicherungsnehmer die Tarife jedoch genau vergleichen, so der Rat. Denn während einige Versicherer Haltern von Saisonfahrzeugen spezielle Rabatte für „Wenigfahrer“ und Garagenwagen einräumten, verlangten andere Versicherer höhere Monatsprämien für Saisonfahrzeuge als für Fahrzeuge, die das ganze Jahr zugelassen sind.

Und welche Versicherungssumme ist in der Motorrad-Haftpflichtversicherung ratsam? Als Basis gelten laut Makler Scharl die gesetzlichen Mindestdeckungssummen für Personen-, Sach- und Vermögensschäden (7,5 Millionen Euro, 1,12 Millionen Euro und 50.000 Euro), die für alle Versicherer verbindlich sind. „Generell ist kein Versicherer verpflichtet, eine höhere Versicherungssumme als die gesetzlichen Mindestdeckungssummen zu gewähren.“

Als Standard habe sich in der Motorrad-Haftpflichtversicherung allerdings die 100 Millionen-Euro-Deckung etabliert, „die grundsätzlich jeder für eine ausreichende Sicherheit immer vereinbaren sollte“, so Scharl. Alle Kosten, die bei einem Schaden über die vereinbarte Versicherungssumme hinausgingen, müssten bei einer geringeren Deckung selbst bezahlt werden.

Quelle: Kraftfahrtbundesamt/ZIV/Destatis, Illus: sunt/Fotolia, Ibrandify/Freepik
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Gefahr durch Vorfahrtsverletzungen

Günstiger ist es auch für Motorradfahrer, die auf dem Land statt in der Großstadt wohnen oder die Motorleistung ihres Zweirads deutlich drosseln. Während die Zulassungszahlen bei Motorrädern im Verlauf der vergangenen Jahre munter rauf- und runtergegangen sind, kennt der Absatz der „kleinen Schwestern“ nur eine Richtung – nach oben: Der Kauf von Elektrorädern, Pedelecs und E-Bikes boomt nach wie vor.

Allerdings sind diese auch mit gestiegenen Risiken behaftet. „Eine der häufigsten Unfallgefahren sind Vorfahrtsverletzungen, weil andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit eines Elektrorads, Pedelecs und E-Bikes nicht richtig einschätzen“, warnt die Verbraucherorganisation Geld und Verbraucher (GVI). „Für Fahrer eines Elektrorads, Pedelecs und E-Bikes ist neben einer Unfallversicherung eine Privathaftpflichtversicherung äußerst wichtig“, betont GVI-Präsident Siegfried Karle.

Quelle: Kraftfahrtbundesamt/ZIV/Destatis, Illus: sunt/Fotolia, Ibrandify/Freepik
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Was ist hier zu beachten? Ein E-Bike oder Pedelec mit einem Elektroantrieb bis maximal 250 Watt, der die Räder auf eine Geschwindigkeit von maximal 25 km/h beschleunigt, ist häufig in der Privathaftpflichtversicherung eingeschlossen. Sicherheitshalber sollten sich E-Biker von ihrem Versicherer schriftlich bestätigen lassen, dass Schäden durch ihr E-Bike oder Pedelec in der privaten Haftpflichtversicherung eingeschlossen sind.

Allerdings: „Ein E-Bike oder Pedelec mit der Antriebsvariante von 500 Watt und einer Beschleunigung auf maximal 45 km/h ist nicht in der privaten Haftpflichtversicherung eingeschlossen“, betont Karle. Bedeutet: Diese sogenannten S-Pedelecs benötigen ein Moped-Kennzeichen mit eingeschlossenem Haftpflichtschutz.

Dabei weist der GVI-Präsident darauf hin, dass die weiter steigende Beliebtheit der Elektroräder auch Dieben nicht verborgen geblieben ist. „Ein gutes Fahrradschloss ist neben dem richtigen Versicherungsschutz gegen Diebstahl wichtig“, rät Karle. Und über die Hausratversicherung können E-Bikes kostengünstig gegen Diebstahl versichert werden. Allerdings: Die Erstattung ist hier oft geringer als bei einer separaten Fahrradversicherung.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

 

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Roland

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