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Studie: Jeder Zweite muss als Rentner Lebensstandard senken

Vielen Rentnern droht ein erheblich niedrigerer Lebensstandard im Alter

Vielen künftigen Rentnern droht ein erheblich niedrigerer Lebensstandard im Alter. Eine rechtzeitig vorgenommene und regelmäßig angepasste fachkundige Ruhestandsplanung kann den Absturz in die Grundsicherung verhindern.

Andrea Lohmann benötigt dringend Beratung. Die 47-jährige kinderlose Alleinstehende arbeitet im Niedriglohnsektor als Tierarzthelferin auf einer Dreiviertelstelle. Ihre Prognose der gesetzlichen Rentenversicherung liegt bei 600 Euro. Ihre Lebensersparnisse hat sie risikoarm bei der Sparkasse angelegt. Nun steht ein Erbe in Höhe von 100.000 Euro an, und Andrea Lohmann weiß, dass sie etwas tun muss. Sie möchte sichergehen, dass sie in 15 bis 20 Jahren nicht schleichend in die Altersarmut rutscht, und Erbe und Ersparnisse dafür optimal ausrichten.

Das ist eine gute Idee. Denn Analysen zeigen, dass das Armutsrisiko steigt. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat auf Basis von Simulationen ergeben, dass die Armutsrisikoquote von etwa 16 Prozent in den Jahren 2015 bis 2020 auf 20 Prozent in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre zunehmen wird, also um 25 Prozent steigt. „Über den gesamten Zeitraum ist das Risiko besonders hoch für Personen mit geringer Bildung, alleinstehende Frauen und Personen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen waren oder die einen Migrationshintergrund haben“, so die Studie. Als armutsgefährdet gilt dabei, wer über ein bedarfsgewichtetes verfügbares Einkommen von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung verfügt. 2017 lag dieser Wert bei etwa 840 Euro für einen Single-Haushalt. 

Viele Menschen unterschätzen systematisch ihre Lebenserwartung

Im Ruhestand ändert sich die Situation von Eingaben und Ausnahmen. Nach Wegfall des Arbeitseinkommens müssen die angesparten Vermögen und Rentenansprüche die finanziellen Einbußen ausgleichen. Zudem kommen weitere Themenfelder wie Erben, Schenken und der Vermögensübergang auf die nächste Generation bei der langfristigen Planung ins Spiel. „Das Hauptproblem ist, dass die meisten Menschen nicht wissen, welche Ausgaben sie als Rentner tatsächlich haben werden“, erklärt Rolf Tilmes, Vorstandschef des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB). Und weil die Verbraucher diesen Bedarf systematisch unterschätzen, sorgen sie schlecht vor. Der Verband hat daher eine Checkliste mit sieben Schritten veröffentlicht, die eine Anleitung zur Ruhestandsplanung darstellt (siehe Grafik links).

Ein Kernelement der Ruhestandsplanung ist die Sicherung der Liquidität im Alter. Viele Menschen unterschätzen systematisch ihre Lebenserwartung. „Man verwendet gern vorhandene Umgebungsfaktoren als mentalen Anker für Einschätzungen. Bei der Lebenserwartung neigen wir häufig dazu, an die Eltern oder Großeltern zu denken“, sagt Frank Nobis, Geschäftsführer des unabhängigen Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). Bei einem statistischen Anstieg der Lebenserwartung von zwei Monaten pro Jahr steigt so pro Generation (30 Jahre) die Lebenserwartung um fünf Jahre an. „Das heißt, wir würden im Durchschnitt fünf Jahre länger als unsere Eltern und zehn Jahre länger als unsere Großeltern leben“, so Nobis.

Erfolgreiche Ruhestandsplaner sprechen daher mit ihren Kunden über verschiedene Fristigkeiten und bringen ihre Kunden davon ab, jede geplante Investition einzeln zu betrachten. Denn ansonsten ziehen es viele Kunden vor, jede Investition einzeln abzusichern und permanenten Zugriff darauf zu haben. In der Ruhestandsplanung sollten Kunden indes einen Schritt zurücktreten und begreifen, dass sie ihr komplettes Vermögen nicht allzeit liquide benötigen, sondern, dass Teile des Vermögens auch mit anderen Fristigkeiten investiert werden können.

Der Begriff „Ruhestandsplaner“ ist nicht geschützt, es gibt keine staatliche Prüfungsinstanz und kein branchenweites Gütesiegel. Es haben sich jedoch viele Fortbildungsangebote etabliert, vom zweitägigen Kompaktseminar von Versicherungsgesellschaften bis zu umfassenden zertifizierten berufsbegleitenden Studiengängen, etwa von Going Public und der EBS Finanzakademie. Mehr und mehr Berater überlegen, sich in diesem Bereich zu spezialisieren. In einer Pfefferminzia-Umfrage vom vergangenen Jahr erwogen dies zwei Drittel der Berater, hauptsächlich begründet mit dem zusätzlichen Renommee und besseren Vergütungschancen. Von den Befragten waren bereits 84,6 Prozent in der Ruhestandsplanung aktiv, rund 60 Prozent vermittelten mindestens einmal wöchentlich einen entsprechenden Versicherungsvertrag.

„Viele planen bis 60 Jahre und denken nicht weiter“

Die Berater müssen dabei in der Regel aktiv auf die Kunden zugehen und meist zunächst einiges an Überzeugungsarbeit leisten. „Bei vielen Kunden habe ich den Eindruck, sie leben und planen bis 60 Jahre und denken nicht weiter. Erst wenn sie sich dieser Schwelle nähern, kommen die Fragen. Wir beraten daher aktiv und weisen darauf hin, dass man mit 65 statistisch gesehen noch ein Drittel seiner Lebenszeit vor sich hat“, sagt Peter Rieder, Geschäftsführer von Peter Rieder Vermögen. Das Kapital darf folglich auch länger investiert bleiben, der maximale Verlust von Rieders Ruhestandsplanungs-Strategie liegt bei 3,8 Prozent.

„Mindestens 70 Prozent der Kunden wollen zum Rentenzeitpunkt das angesparte Geld ohnehin nicht ausgezahlt oder verrentet haben“, so Rieder, der ein gehobenes Kundensegment berät. Wichtig sei zudem eine vernünftige Streuung der Anlagen in der Ruhestandsplanung. „Dazu gehören Beteiligungen an den Kapitalmärkten zum Beispiel über Investmentfonds, in Edelmetalle und in guten Lagen möglicherweise auch in Immobilien. Und eine lebenslange Leibrente zählt definitiv zu einer Ruhestandsplanung. Eine Basisrente kann mit hohen Beiträgen bespart werden und ist staatlich gefördert. Somit können auch vernünftige Rentenhöhen bei relativ kurzer Anspardauer erreicht werden“, empfiehlt IVFP- Geschäftsführer Nobis.

Es geht nicht um den Verkauf einzelner Produkte, sondern um die Analyse dessen, über was der Kunde verfügt. „Ich muss konkret über den Entsparvorgang sprechen und über die Wünsche und Ziele des Kunden. Dazu gehört auch, welches Lebensmodell der Kunde anstrebt. Dieser Ansatz findet in der Beratung noch zu wenig statt“, beklagt Steffen Liebig, verantwortlich für den Bereich strategische Geschäftsbeziehungen bei Standard Life.

„Viele unterschiedliche bAV-Systeme berücksichtigen“

Die Lebensmodelle haben sich verändert, ein Beispiel: Möchte der Kunde vielleicht nur seine Arbeitsstunden reduzieren und mit seinem Wissen weiterhin beratend tätig sein? Dann verfügt er über ein gewisses Grundeinkommen und benötigt nur einen Teil seiner Rentenbezüge. Ein anderer Kunde will vielleicht mit 65 auf Weltreise gehen. Er benötigt eine andere Planung und einen anderen Entsparvorgang als ein Kunde, der dann lieber hauptsächlich in seinem Garten arbeiten will.

Die Ruhestandsplanung ist komplex, nicht zuletzt auch, weil sich die Gesellschaft verändert hat. „Heute haben Sie junge Kunden, die bis zum Ende ihrer Karriere bei bis zu zehn Unternehmen gearbeitet haben werden. Da muss man viele unterschiedliche bAV-Systeme berücksichtigen und ein stimmiges steuerliches Bild zeichnen“, so Liebig.

Das Fazit lautet daher: Wer als Berater über eine spezifische Ausbildung verfügt, den Zugang zu einer breiten Palette Ruhestandsprodukte und nicht zuletzt moderne IT-Unterstützung genießt, dem stehen alle Chancen offen, sich ein zukunftsträchtiges Beratungsfeld erfolgreich zu erschließen.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

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Roland

Geschäftsführer und Mädchen für bei ProFair24
Hallo,
ich bin Roland Richert, Gründer und Mädchen für alles bei ProKlartexxt dem Versicherungs- und Finanzmagazin. Als gelernter Versicherungsfutzi biete ich kostenlose Informationen zu Versicherungen und Finanzen.
Ich verkaufe keine Versicherungs- und/oder Finanzprodukte, hierfür stelle ich Euch nur Vergleichsrechner von namhaften Unternehmen zur Verfügung.
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