Altersvorsorge für Dummies von Dieter Homburg

Autor, Dieter Homburg: „Altersvorsorge für Dummies“

Viele Menschen tun sich immer noch schwer mit dem Thema private Altersvorsorge, und verlassen sich allein auf die gesetzliche Rente. Eine Entwicklung, die Dieter Homburg, Autor des Buches „Altersvorsorge für Dummies“, mit Sorge beobachtet. Im Interview fordert er mehr Aufklärung und bessere staatliche Anreize.

Pfefferminzia: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch mit dem Titel „Altersvorsorge für Dummies“ zu schreiben? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Dieter Homburg: Meine eigenen Eltern waren immer selbstständig und haben jeden Monat fleißig in Versicherungen fürs Alter investiert. Leider haben sich die Hochrechnungen und Versprechungen der Versicherer nicht mal ansatzweise bewahrheitet. Deswegen arbeiten die beiden heute noch – mein Vater ist 75. Selbst hatte ich keine Chance mehr, meinen Eltern zu helfen, weil mein Vater schon Richtung des 60. Lebensjahres ging, als ich selbst in dem Thema richtig fit war. Und leider lässt sich die Zeit auch beim Aufbau der Altersvorsorge nicht zurückdrehen. Jetzt geht es darum, den Menschen, die es noch schaffen können, zu helfen. Das war für mich die Motivation, über ein Jahr meiner Freizeit in dieses Buch zu stecken. Hierbei lag es mir am Herzen, nicht den nächsten Sachratgeber zu formulieren, sondern die Dinge so erklären zu dürfen, dass Sie auch unsere Oma verstehen würde. Dafür ist die „Für Dummies“-Serie“ bekannt, dass hier in einer verständlichen, leicht humorvollen Weise auch komplizierte Sachverhalte erklärt werden. Ich selbst bin großer Fan und Nutzer dieser Serie. Da fiel mir der Entschluss leicht.

Warum tun sich die Deutschen so schwer mit der Vorsorge?

Sie tun sich schwer, weil das Thema einfach komplex ist, nirgendwo gelehrt wird und man nicht weiß, wem man vertrauen soll. Fragen Sie sich mal, wo Sie eigentlich Ihre finanzielle Ausbildung genossen haben? In der Schule und in der Uni wohl eher weniger. Viele haben mit schmerzhaften Erfahrungen gelernt oder davon gehört und machen einen Bogen um das Thema. Wer weiß denn schon, ob ich überhaupt so alt werde, denken da zum Beispiel viele.

Bieten private und betriebliche Altersversorgung vielleicht zu wenig Anreize und Möglichkeiten zur Vorsorge?

Was die Anreize angeht, müsste wirklich mehr gemacht werden: In der privaten Altersvorsorge muss aus bereits versteuertem Einkommen erneut zum Beispiel mit der Abgeltungssteuer bezahlt werden, wenn man Gewinne mit seinem Geld erwirtschaftet. Das bremst den Aufbau der eigene Altersvorsorge deutlich aus. Und wem hat die Abgeltungssteuer genützt? Vermögenden Menschen, die auf ihre Zinserträge nicht mehr ihren individuellen hohen Steuersatz zahlen, sondern nur noch 25 Prozent plus Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Und bei der betrieblichen Altersversorgung sind die Anreize keinesfalls ausreichend vom Gesetzgeber gesetzt. Vor allem, dass man im Nachgang in geltendes Gesetz eingegriffen hat und seit 2004 auf Auszahlungen den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag erhebt, ist das falsche Zeichen. Versetzen Sie sich in die Lage von jemandem, der 30 Jahre in eine Direktversicherung eingezahlt hat und jetzt eigentlich 100.000 Euro an Auszahlung zu erwarten hat. Nun soll er den vollen Krankenversicherungsbeitrag plus Pflege – also mehr als 18 Prozent davon – an seine Kranken- und Pflegekasse abgeben. Davon haben die Betroffenen beim Abschluss der Versicherung nichts gewusst. Auch die Verpflichtung der Anbieter, am Ende eine garantierte Ablaufleistung bieten zu müssen, schränkt die Anlagefreiheit der Versicherer stark ein. Eine ernstzunehmende Chance auf eine vernünftige Verzinsung wird den Mitarbeitern damit genommen. Hier sollte volle Anlagefreiheit flächendeckend möglich sein.

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Hat sich die Politik zu spät und zu zaghaft des Rentenproblems angenommen? Brauchen wir hier einen Zwang zur Vorsorge?

Ja, Riester und Rürup sind erst in den Jahren 2002 und 2005 eingeführt worden und das Problem der Umlagefinanzierung ist ja schon deutlich länger bekannt. Das Thema müsste viel klarer kommuniziert werden, und jeder jährlich zugestellte gesetzliche Rentenbescheid sollte um die Inflation bereinigt werden. Wenn der Ottonormalverbraucher liest, dass er in 30 Jahren mal 1.300 Euro bekommt, jetzt Netto 1.800 Euro verdient, dann denkt er, das passt schon irgendwie. Tatsächlich entsprechen 1.300 Euro Rente in 30 Jahren nur noch einer Kaufkraft von rund 718 Euro. Also weit weniger als man denken könnte. So sollte das in jedem Rentenbescheid stehen. Es braucht dabei keinen Zwang zur Vorsorge, sondern einfache und klare Anreize, die leicht umsetzbar sind. Bis man seine individuelle Förderung bei Riester berechnet und verstanden hat, geben die meisten schon wieder auf. Ich denke, das ginge deutlich einfacher.

Wie beurteilen Sie die jüngsten Gesetzesinitiativen, etwa das Betriebsrentenstärkungsgesetz, kurz BRSG?

Das BRSG hat als einen zentralen Punkt die Verpflichtung des Arbeitgebers 15 Prozent an Beitragszuschuss zu gewähren. Das ist schlicht und ergreifend viel zu wenig. Auf die Auszahlung einer Direktversicherung beispielsweise wird wie bereits erwähnt der volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag von über 18 Prozent fällig – plus die individuelle Steuer. Was bleibt da denn von zum Beispiel 100.000 Euro noch übrig? Mehr als die Hälfte wird es kaum sein. Um das abzufedern, müssen aber nicht die Arbeitgeber stärker in die Pflicht genommen werden, sondern der Staat nicht erst geben, um dann am Ende wieder doppelt und dreifach zu nehmen.

Was können Menschen in Niedriglohnjobs für die Altersvorsorge tun?

Ihnen bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als gegebenenfalls Riester mit in die Betrachtung zu ziehen. Betriebliche Altersversorgung würde sich nur lohnen, wenn der Arbeitgeber einen hohen Zuschuss gewährt, und Rürup fällt meist ganz flach, weil die Rürup-Rente von Steuervorteilen lebt, die wiederum nur Besserverdiener haben. Bei Riester kann es spannender werden, weil hier die Förderung ja auch pro Kopf greift. Ein Niedriglohnempfänger mit einem nach 2008 geborenen Kind und 12.000 Euro Jahresgehalt, kann sich über 475 Euro an Förderung freuen, muss selbst aber nur 60 Euro hinzusteuern. Kombiniert mit einem günstigen Fondssparplan ist das eine durchaus gute Sache. Aber eins ist auch klar: Mit Beiträgen in dieser Größenordnung wird man auch im Alter keinen Blumentopf gewinnen können.

Viele Deutsche wollen Garantien und sind sehr risikoavers eingestellt – können ihre Sparziele so aber in Niedrigzinszeiten nicht mehr erreichen. Sie müssten mehr Risiko zulassen und anders investieren. Inwiefern ändert sich die Einstellung gegenüber dem Risiko angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfelds?

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Hierzu ist die Definition von Risiko maßgeblich. Wer noch 20 oder 30 Jahre Zeit hat und etwas fürs Alter tun möchte, für den sind die heutigen Garantien zum Beispiel bei Lebensversicherungen total kontraproduktiv. Garantiert sind sowieso kaum mehr als die eingezahlten Beiträge, die nach Abzug der Inflation nur noch einen geringen Wert in Kaufkraft gerechnet haben. Und hier gilt ganz sicher nicht der Satz „besser als nichts“. Im Gegenteil, durch die Garantien wird der Lebensversicherer dazu angehalten, einen ganzen Teil in langlaufende festverzinsliche Staats- und Bankanleihen zu investieren. Diese werfen aber auf absehbarer Zeit noch nicht mal mehr einen realen Inflationsausgleich ab. Damit ist die Sache von vorneherein schon zum Scheitern verurteilt. Den besten Schutz vor allen Krisen bieten Sachwertanlagen wie Immobilien, Unternehmensbeteiligungen wie Aktien oder Gold und Silber. Hier sind auch in Zukunft gute Verzinsungen möglich. Insbesondere dann, wenn man nicht einfach blind jeden Monat 100 Prozent Aktien kauft, sondern gemachte Gewinne auch immer wieder geschickt absichert und umschichtet. Die Menschen müssen nicht mehr Risiko zulassen, sondern verstehen, was mit ihrem Geld passiert und wie man intelligentes von weniger intelligentem Anlegen unterscheidet.

Hat die umfassende Regulierung der Branche bessere Qualitätsstandards für die Beratung gebracht?

Nein, noch lange nicht. Nach wie vor gibt es viele schwarze Schafe und dem Anlagebetrug sind weiterhin Tür und Tor geöffnet. Einen Versicherungsvermittlerschein bekommen Sie schon nach einem vier- bis sechsmonatigem Online-Kurs – dann können Sie fleißig drauflos beraten. Was dabei rauskommt, bekomme ich jeden Tag auf den Tisch und kann versuchen, das Kind wieder aus dem Brunnen zu holen.

Was raten Sie selbst: Wo findet ein Interessent die beste Altersvorsorge-Beratung?

Bei sich selbst. Ganz klar! Das Thema ist nicht deligierbar. Ein gutes Grundverständnis von den Mechanismen und Hintergründen einzelner Anlagen sollte sich jeder selbst aneignen. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit groß, über den Tisch gezogen zu werden. In Deutschland ist die Altersvorsorge-Beratung flächendeckend auf den Verkauf von Produkten ausgelegt. Das allein führt in den meisten Fällen eine erstklassige Altersvorsorge-Beratung schon ad absurdum.

Wie sieht Ihrer Ansicht nach eine perfekte Vorsorgeplanung für einen 25-Jährigen aus?

Das Schiff, das keinen Hafen kennt, dem weht kein Wind: Als erstes sollte der junge Mensch ganz genau definieren, wo er – finanziell gesehen – hin will. Er sollte sich etwa die Frage beantworten, was er jeden Monat zum Leben brauchen würde, wenn er heute nicht mehr arbeiten müsste. Das Ergebnis muss er dann nur noch unter Einbeziehung der Inflation hochrechnen – und der Rest ist Finanzmathematik, die mit einfachen Online-Rechnern bewältigt werden kann. Wenn es um die Frage der Geldanlage geht, hängt dies stark von den Rahmenbedingungen jedes Einzelnen ab. Wer beispielsweise einen sehr hohen Steuersatz hat, geht anders vor, als jemand, der deutlich weniger Steuern zu bezahlen hat. Was aber alle gemein haben sollten, ist, dass sie ihr Geld sachwertorientiert in Aktien, freie Beteiligungen, Immobilien, Edelmetalle, aber vor allem in sich selbst, investieren sollten. In das eigene Wissen, die eigenen Skills und die persönliche Weiterentwicklung zu investieren, ist die beste Vorsorgeplanung. Weil dann alles andere damit erleichtert wird.

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Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Fehler bei der Altersvorsorge?

Zu lange warten, weil Warten extrem teuer ist. Beim Sparen ist nämlich die Zeit ausnahmsweise mal unser Freund. Albert Einstein hat den Zinseszinseffekt als das achte Weltwunder beschrieben, und das ist es auch. Ein weiterer Fehler besteht darin, in unrentable Produkte zu investieren. Die meisten Altersvorsorgeprodukte machen nur die Banken- und Versicherungswelt reicher, helfen aber letztlich nicht den Verbrauchern. Falsch ist es auch, die staatliche Förderung links liegen zu lassen. Machen wir uns nichts vor, die meisten Menschen können sich die Monatsbeiträge für eine ausreichende Altersvorsorge kaum leisten. Im Zuge von Rentenkürzungen – das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre hochzusetzen kommt übrigens auch einer Kürzung gleich – hat der Staat Fördertöpfe wie Riester, Rürup oder die betriebliche Altersversorgung ins Feld geführt. Diese lohnen sich keinesfalls pauschal für jeden, aber durchkalkulieren sollte man sie in jedem Fall. Oftmals kann man damit seine Nettobelastung deutlich drücken, und so bleibt auch noch etwas zum Leben übrig.

Wie sehen Sie die Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland?

Wir steuern in dieser Hinsicht auf ein Desaster zu. Die Kinder, die unsere späteren Renten zahlen müssten, sind nie geboren worden, und die milliardenschweren Pensionsverpflichtungen gegenüber unseren Beamten tun ihr Übriges. In meinen Vorträgen und Beratungen rege ich immer an, das Heft unbedingt in die eigene Hand zu nehmen. Sich in Sachen Altersvorsorge auf den Staat zu verlassen, gleicht dem Versuch auf einer vielbefahrenen Straße mit den Händen vor den Augen bei Rot über die Ampel zu gehen. Hier gilt es, deutlicher aufzuklären. Es geht darum, den Menschen die Chance zu geben, ein lebenswertes Leben auch im Alter führen zu können.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

 

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Roland

Geschäftsführer und Mädchen für bei ProFair24
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ich bin Roland Richert, Gründer und Mädchen für alles bei ProKlartexxt dem Versicherungs- und Finanzmagazin. Als gelernter Versicherungsfutzi biete ich kostenlose Informationen zu Versicherungen und Finanzen.
Ich verkaufe keine Versicherungs- und/oder Finanzprodukte, hierfür stelle ich Euch nur Vergleichsrechner von namhaften Unternehmen zur Verfügung.
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