Die Privathaftpflichtversicherung zählt zu den wichtigsten Policen.

Überprüfen Sie regelmäßig ihre private Haftpflichtversicherung

Privathaftpflichtversicherungen schützen vor dem finanziellen Ruin im Schadenfall. Viele Kunden haben ihren Vertrag aber früh gekauft und ihn dann nicht mehr angefasst. Schade, da gerade neuere Tarife oft bessere Leistungen enthalten.

Es ist ein geselliger Abend, Sie sitzen mit Ihrem Kumpel zusammen auf der hellen Couch, trinken Rotwein und schauen einen Film. Dabei verschüttet Ihr Freund versehentlich Rotwein auf der Couch – die Flecken sind hartnäckig, entfernen lassen sie sich nicht mehr. Eigentlich ein klassischer Fall für die Privathaftpflichtversicherung, die Ihr Kumpel doch sicherlich hat. Schließlich haben die meisten Deutschen die Bedeutung dieser Policen erkannt. Nur leider gehört Ihr Kumpel zu den 15 Prozent der Bundesbürger, die laut einer Erhebung des Versicherungsverbands GDV aus dem Jahr 2014 auf den Abschluss dieser Versicherung verzichtet haben. Nun muss er den Schaden eigentlich aus eigener Tasche zahlen, aber er ist knapp bei Kasse und kann die Kosten für eine neue Couch nicht übernehmen.

Es bleibt also an Ihnen hängen, sich ein neues Sitzmöbel zuzulegen. Es sei denn, Sie haben bei Ihrer Privathaftpflicht aufgepasst und auf eine Forderungsausfalldeckung geachtet. Dann kommt nämlich Ihr eigener Versicherer für den Schadenersatz auf. „Die Forderungsausfalldeckung als Eigenschutz, wenn der Schädiger über keine Haftpflichtversicherung verfügt und nicht leisten kann, stellt eine sinnvolle Ergänzung dar, die heute in fast allen guten Produkten enthalten ist“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg.

Das war aber nicht immer so. Vor zehn Jahren war diese Klausel, wenn überhaupt, wohl nur vereinzelt in Top-Tarifen zu finden. Und dann auch nicht in dem Umfang wie heute. Denn viele Versicherer haben diese Deckung um vorsätzliche Handlungen erweitert.

Vorsatz zahlte der Versicherer nicht

Wie wichtig das sein kann, zeigt ein Fall, über den „Stiftung Warentest“ berichtete. Walter R. aus der Nähe von Braunschweig war von mehreren jungen Männern ohne Grund zusammengeschlagen worden. Ein Täter, damals 22 Jahre alt, zeigte sich besonders aggressiv – Walter K. musste auf die Intensivstation. Nach rund zwei Jahren Behandlung hatte sich bei dem Opfer ein materieller Schaden von rund 5.000 Euro und ein Schmerzensgeldanspruch von rund 10.000 Euro aufgebaut. Beim Täter war nichts zu holen, aber Walter K. hatte eine Privathaftpflicht mit Forderungsausfalldeckung abgeschlossen. Seine Hoffnungen auf Erstattung der Kosten lösten sich aber schnell in Luft aus: Der Versicherer schloss eine Leistung bei Vorsatz aus.

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Das Beispiel der Forderungsausfalldeckung verdeutlicht, wie wichtig es ist, private Haftpflichtpolicen regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen. Denn: Viele Kunden haben sich die Verträge vor Jahren oder Jahrzehnten zugelegt – und dann in die Schublade gesteckt und nicht wieder herausgeholt. Die Verträge sind also veraltet. „Wir empfehlen aufgrund unserer Erfahrung einen jährlichen Check“, sagt Franke, „denn der Markt unterliegt einem ständigen Wandel. Leistungen, die vor ein paar Jahren als Besonderheit galten, sind heute teilweise zum Standard geworden und sogar bereits in den Basislinien der Versicherer enthalten.“

Entscheidende Rolle des Beraters 

Dem Berater komme an dieser Stelle eine entscheidende Rolle zu, so Franke weiter. „Denn der Kunde selbst wird sicher nicht regelmäßig daran denken, seine Versicherungen zu überprüfen.“ Für die meisten Vermittler gehöre es aber sowieso zum Standard, im Rahmen eines Jahresgesprächs oder -telefonats die Kundensituation auf Veränderungen hin zu prüfen. Franke: „Der Berater profitiert von dieser Nähe zum Kunden über Cross-Selling-Potenziale und hebt sich darüber hinaus ab von rein digitalen Angeboten, die in erster Linie  auf den Abschlussprozess ausgerichtet sind.“

Spätestens wenn sich die persönliche Situation gravierend verändert, sollte eine Überprüfung der Privathaftpflichtversicherung stattfinden, empfiehlt Arend Arends. „Beispiele hierfür können das erfolgreiche Beenden der Berufsausbildung, die Gründung einer eigenen Familie oder der Hausbau oder Hauskauf sein“, so der Vorstandsvorsitzende der NV Versicherungen. „Zudem sollte man zum Beispiel als Mieter einer Mietwohnung zwingend darauf achten, dass die Mietsachschäden ausreichend versichert sind.“ Ein solcher Mietsachschaden liegt beispielsweise vor, wenn aus Unachtsamkeit die Badewanne überläuft und es daraufhin zu einem erheblichen Wasserschaden an Wänden und Decken kommt.

Versicherungssumme prüfen

Einen besonders kritischen Blick sollten Makler und Kunden bei der Überprüfung der vereinbarten Versicherungssumme widmen. Denn mitunter sind hier nur Summen von 500.000 oder eine Million Euro versichert. „Bei der Deckungssumme spielt der Faktor Zeit eine Rolle. Sie sollte so hoch bemessen sein, dass der Versicherungsnehmer auch langfristig auf der sicheren Seite steht“, empfiehlt Fermin Fuentes, stellvertretender Abteilungsleiter Haftpflicht Vertrag Privatkunden bei der Haftpflichtkasse. „Aktuell sollte die Deckungssumme nicht kleiner als 10 Millionen Euro sein. Um auch langfristig die technisch-gesellschaftlichen Entwicklungen ausreichend zu berücksichtigen, ist man mit einer Deckungssumme von 50 Millionen Euro auf der sicheren Seite.“

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Welche weiteren Leistungserweiterungen gibt es heutzutage, die in einer guten Police enthalten sein sollten? Zu den wichtigen Punkten gehört für Hubert Gierhartz, Versicherungsmakler im Ruhestand, neben dem Einschluss der groben Fahrlässigkeit unter anderem die Absicherung deliktunfähiger Personen und Kinder. Was heißt das? Haftpflichtversicherer übernehmen in der Regel nur Schäden, die deliktfähige Personen verursacht haben. Kleine Kinder oder Demenzerkrankte gehören regelmäßig nicht dazu.

Schutz für deliktunfähige Personen? 

Enthält die Police aber eine Deliktunfähigkeitsklausel, gibt es trotzdem Geld, wenn der fünfjährige Sohn zum Beispiel mit seinem Fahrrad das geparkte Auto des Nachbarn beschädigt. Hier muss man aber auf Leistungsdeckel in den Tarifen achten, etwa von 50.000 oder 100.000 Euro. Manche Versicherer leisten aber auch bis zur Versicherungssumme.

Auch Gefälligkeitsschäden sollten die Policen abdecken. Beispiel: Der Vater hilft der Tochter beim Umzug, und lässt den Fernseher fallen. Ebenso das private und berufliche Schlüsselrisiko. Dann leistet der Versicherer, wenn ein dem Versicherungsnehmer anvertrauter Schlüssel verloren geht und Schadenersatz verlangt wird.

Manche Hobbys gab es früher nicht

Dass in früheren Haftpflichtverträgen manche Leistungen noch nicht abgedeckt waren, liegt auch schlicht daran, dass es bestimmte Hobbys noch gar nicht gab. Beispiel Elektrofahrräder, Drohnen & Co. „Für Fahrer eines Elektrorads, Pedelecs oder E-Bikes ist neben einer Unfallversicherung eine Privathaftpflichtversicherung äußerst wichtig“, sagt daher Siegfried Karle, Präsident Verbraucherorganisation Geld und Verbraucher (GVI). Ein E-Bike oder Pedelec mit einem Elektroantrieb bis maximal 250 Watt, der die Räder auf eine Geschwindigkeit von maximal 25 Stundenkilometer beschleunigt, sei häufig in der Privathaftpflichtversicherung eingeschlossen. Um ganz sicher zu gehen, sollten sich Verbraucher hier aber eine schriftliche Bestätigung von ihrem Versicherer geben lassen, rät der Experte.

Auch die intensivere Nutzung des Internets zum Beispiel führt zu neuen Risiken. Einige Haftpflichtversicherer bieten einen darauf abgestimmten Baustein als Zusatz zur Privathaftpflicht an. Dafür bekommen Kunden dann Assistance-Leistungen – etwa Hilfe dabei, das Internet nach widerrechtlich geposteten Filmen, Bildern oder Texten zu durchforsten und Seitenbetreiber und Suchmaschinen aufzufordern, die Daten zu entfernen. Auch hier müssen Interessenten aber wieder auf mögliche Deckel achten – etwa bis zu 5.000 Euro oder eine bestimmte Zahl an Schadenfällen pro Jahr.

Vorsicht beim Vertragswechsel

Soll es nun ein neuer Versicherungsvertrag sein, geht der Wechsel vom alten zu einem neuen Anbieter problemlos? Eigentlich ja. Gierhartz: „Allerdings sollte beim Abschluss im Vorfeld geklärt sein, ob der bis dahin bestehende Vertrag schadensbelastet ist.“ Es könne sonst passieren, dass der neue Versicherer den Vertrag ablehnt und der alte Anbieter den Vertrag wegen der Kündigung nicht mehr in Kraft setze. Und: „Gewarnt sein sollte der Makler, der als Verkaufsargument nur den Preis im Auge hat“, so der langjährige Versicherungsmakler weiter. „Denn wohlmöglich wird er später in Regress genommen, weil ein Schaden im alten Vertrag versichert war, aber dieser im neuen Vertrag ausgeschlossen ist.“

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Aus letzterem Grund empfiehlt Timo Suchert, Leiter Produktentwicklung SHU bei der VHV, dass der neue Vertrag bei einem Wechsel eine Besitzstandsgarantie beinhalten sollte. „Diese Garantie gewährleistet, dass Leistungen des alten Vertrags im Schadenfall gelten, auch wenn diese Leistungen beim neuen Versicherer nicht inkludiert sind.“ Arend Arends von der NV empfiehlt darüber hinaus auch eine Best-Leistungs-Garantie, wie sie die NV anbietet. „Wenn ein Kunde Kenntnis davon erhält, dass im Versicherungsfall ein anderes Versicherungsunternehmen in Deutschland einen weitergehenden Leistungsumfang oder höhere Entschädigungsgrenzen anbietet, so steht ihm dieselbe Leistung bei der NV zu“, erklärt Arends. Damit würde die Not zur ständigen Überprüfung der Verträge natürlich ein Stück weit wegfallen.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

 

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Roland

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