Ambulante Krankenzusatzversicherung, braucht man dat oder kann dat wech?

Nach Einschätzung der Verbraucherschützer sind viele Einschlüsse überflüssiger Schnick Schnack.

Wer sich auch bei einer ambulanten Versorgung wie ein Privatpatient fühlen möchte, kann sich eine private Zusatzversicherung für diesen Bereich zulegen. Was diese Policen abdecken und warum ein Vergleich der Angebote wichtig ist.

Für Verbraucherschützer ist die Einschätzung eindeutig: Viele Bestandteile ambulanter Krankenzusatztarife seien „unnötiger Schnickschnack“. Das schreibt etwa das Verbraucherportal „Finanztip“ in einem Ratgeber zum Thema. „Bindet die Versicherung verschiedene Tarifbestandteile zu einem Paket zusammen, sind die Komponenten meistens nicht sonderlich leistungsstark“, heißt es dort weiter. Eine Auslandsreisekranken- oder Zahnzusatzversicherung etwa solle man besser separat zu besseren Konditionen abschließen.

Ist an dieser Kritik etwas dran? Bei einer ambulanten Zusatzversicherung übernimmt der Versicherer anteilig die Kosten etwa für Sehhilfen, Hörgeräte, orthopädische Einlagen, Prothesen oder Krankenfahrstühle. Auch die Behandlung beim Heilpraktiker oder Osteopathen sowie Naturheilverfahren sind im Leistungskatalog enthalten. Zusätzlich leisten die Versicherer oft für Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen, die über den Grundschutz der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hinausgehen. Ein Beispiel hierfür ist etwa das Hautkrebs-Screening. Die Untersuchung, die die Krankenkassen bezahlen, sieht nur eine visuelle Untersuchung vor. Ambulante Zusatzversicherungen leisten aber etwa auch für das Screening mit einem speziellen Lichtmikroskop.

Sind solche Tarife nun also sinnvoll? Wie immer kommt es bei Versicherungen darauf an, was der Kunde will und braucht – und auch bezahlen kann. „Wenn ein Kunde sagt: Mir ist Vorsorge ganz wichtig und ich möchte hier weit mehr machen, als das gesetzliche Maß es mir erlaubt, und das auch bezahlt bekommen – für den ist dieser Zusatzversicherungsschutz dann hilfreich und sinnvoll“, so Versicherungsmakler und PKV-Experte Sven Hennig.

Ganz ungerechtfertigt sei die Kritik der Verbraucherschützer trotzdem nicht, die Tarife würden schon mit den ein oder anderen Luxusleistungen ausgestattet. „Ich brauche eigentlich keinen, der mir das Brillengestell erstattet. Aber hier reagieren die Versicherer auf den Markt – die Nachfrage ist da.“ Die Menschen verstünden oft nicht, dass es besser sei, einfach die Brille zu bezahlen als den jahrelangen Versicherungsschutz. „Das von vornherein als Schnickschnack abzutun, halte ich aber für falsch“, so Hennig. „Es geht darum, was dem Kunden wichtig ist. Und wie der Versicherungsschutz auf diesen Bedarf abgestimmt werden kann.“

Krankheiten durch Vorsorgeuntersuchungen früh erkennen 

Thomas Gnann, Geschäftsführer der Gnann Management-Vorsorge GmbH aus Sigmaringen, gibt dabei noch einen anderen Punkt zu bedenken – den gesundheitlichen Nutzen: „Bleiben wir beim Beispiel der Vorsorgeuntersuchungen. Dadurch, dass sich der Versicherte keinen Kopf über die Kosten dieser Untersuchungen machen muss, nutzt er dieses Angebot vielleicht öfter. Wenn dabei eine Krankheit in einem frühen Stadium erkannt wird und bekämpft werden kann, verhilft das dem Versicherten unter Umständen zu einem längeren Leben.“

Allerdings müssen Kunden und Makler bei der Wahl des passenden Tarifs genau hinschauen. „Ambulante Zusatztarife, die viele unterschiedliche Leistungen in Kombination bieten, diese dann aber jeweils nur minimal erstatten – also beispielsweise die Brille bis maximal 50 Euro, den Heilpraktiker bis 150 Euro und Vorsorge-Check-ups bis 75 Euro innerhalb von ein, zwei oder drei Kalenderjahren –, sind gefährlich“, erklärt Gerd Güssler, Geschäftsführer des Portals KVpro.de. „Sie versprechen anfangs optisch viel. Kommt es dann aber zu den ersten großen Erstattungen, merkt der Versicherte am eigenen Geldbeutel, dass sein Versicherungsschutz nur unzureichend ist und von teuren Rechnungen nicht die versprochenen 50 Prozent erstattet werden.“

Deshalb sei es enorm wichtig, auf die versicherte Erstattungsleistung zu achten. „Und zwar in echtem Geld. Lassen Sie sich nicht von 50-, 80- oder 100-Prozent-Leistungen täuschen.“ Viele Tarife würden hier auch speziell für billige Verkaufsprogramme mit „Ja/Haken/ist versichert/…“-Leistungsdarstellungen konstruiert, kritisiert der Branchenkenner. Die Frage „Ist der Heilpraktiker mitversichert?“ wird dann mit „Ja, zu 80 Prozent!“ beantwortet. „Und wenn man dann die Tarifbedingungen durchliest, tauchen plötzlich Maximalerstattungsbeträge innerhalb verschiedener Zeiträume auf – zum Beispiel 500 Euro innerhalb von drei Jahren.“

Mittlerweile gebe es aber Tarife, die sich auf die Wünsche des Kunden zuschneiden ließen, so Gnann. Und die zwar Deckelungen beinhalteten, aber in „kundenfreundlichen Höhen“, so der Schulungsreferent zur KV-Voll- und KV-Zusatzversicherung weiter. Als Beispiel nennt er einen 30-jährigen Kunden, der Interesse an den Leistungen Sehhilfen und Heilpraktiker Behandlung hat. Ein Tarif sehe hier etwa Sehhilfen mit Sehstärke über 375 Euro alle zwei Kalenderjahre vor (ohne Klauseln), Heilpraktiker-Rechnungen würden bis 750 Euro je Kalenderjahr gezahlt, GKV-Zuzahlungen in Höhe von 250 Euro pro Kalenderjahr erstattet und vieles mehr, für unter 24 Euro im Monat mit Altersrückstellungen, ohne Wartezeiten und ohne zusätzliche Staffeln am Anfang. Gnann: „Ich denke, das ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als fair. Hier ist das Wichtigste, dass der Kunde richtig aufgeklärt ist, welche Leistungen ein Tarif enthält – und auch welche Begrenzungen und Wartezeiten.“

Aufklärung über Deckel und Wartezeiten ist ein Muss

Auch Sven Hennig findet, dass Themen wie Deckel und Wartezeiten „zwingend in die Beratung“ gehören. Mitunter hapert es hier aber: „Die Beratung in der Zusatzversicherung ist oft nicht so intensiv wie in der Vollversicherung“, stellt der Makler fest. Das liege auch daran, dass Makler den Kunden nicht zehn Stunden zu einem Produkt beraten könnten, an dem sie schlussendlich 300 Euro verdienten. „Das ist wirtschaftlich nicht machbar“, sagt Hennig.

Beratung tut hier aber auch aus einem anderen Grunde not, denn die Unterschiede zwischen den Angeboten der Versicherer sind groß. Hennig: „Das fängt schon bei der Frage an, zu welchem Arzt der Kunde gehen darf, etwa, wenn es um Vorsorgeuntersuchungen geht.“ Dürfen das Diagnosekliniken sein, oder muss ein normal zugelassener Arzt die Untersuchung durchführen? Dürfen die Behandlungen auch stationär stattfinden – etwa bei einer Darmkrebsvorsorge – oder müssen sie zwingend ambulant über die Bühne gehen? „Hier ist es oft ganz schwer zu sagen: Das ist der gute und das ist der schlechte Tarif“, so Hennig. „Weil Versicherer, die in einem Bereich gute Leistungen bringen, das nicht unbedingt auch in einem anderen tun.“

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass jemand, dem ein guter Schutz bei Vorsorgebehandlungen wichtig ist oder der sich überdurchschnittliche Erstattungen beim Zahnersatz wünscht, mit Einzelverträgen bei verschiedenen Versicherern besser aufgehoben sein kann, als alle Punkte in einer Police zu vereinen. „Natürlich ist es mühselig, Verträge bei mehreren Versicherern zu haben und sich bei Leistungen an verschiedene Anbieter wenden zu müssen“, sagt Hennig. „Aber dafür ist die Qualität der einzelnen Versicherungen möglicherweise höher.“ Und darauf dürfte es Kunden in aller Regel ja schließlich ankommen.

Vielen Dank an die Pffferminzia

Spioni und ich sind der Meinung das es immer auf die persönliche Situation und den Geldbeutel des Kunden ankommt. Drum vergleiche wer sich lange bindet.

Mehr zum Test der Stiftung Warentest über Zusatzversicherungen könnt ihr hier lesen

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Roland

Geschäftsführer und Mädchen für alles bei ProFair24
Hallo,
ich bin Roland Richert, Gründer und Mädchen für alles bei ProKlartexxt dem Versicherungs- und Finanzmagazin. Als gelernter Versicherungsfutzi biete ich kostenlose Informationen zu Versicherungen und Finanzen.
Ich verkaufe keine Versicherungs- und/oder Finanzprodukte, hierfür stelle ich Euch nur Vergleichsrechner von namhaften Unternehmen zur Verfügung.
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Veröffentlicht von: Roland

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