Informationen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Berufsunfähigkeitsratgeber der Verbraucherzentrale
Roland
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Die 5 größten Irrtümer über Berufsunfähigkeitsversicherungen

Aufgrund der beträchtlichen Zunahme der von Ärzten in den letzten Jahren eingereichten Berufsunfähigkeitsklagen prüfen die Versicherungsträger jetzt die Bedingungen ihrer Policen und alle Ansprüche, die im Rahmen dieser Policen geltend gemacht werden, wobei sie sich bei der Verweigerung von Leistungen neuer und kreativer Theorien bedienen.

Ärzte sollten sich mit ihren Policen und dem Anspruchsverfahren vertraut machen.  Im Folgenden werden häufige Irrtümer im Zusammenhang mit der Geltendmachung eines Anspruchs auf Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung aufgezeigt:

Irrtum 1: Unzureichende Dokumentation des Anspruchsüberprüfungsprozesses

Wenn ein Arzt einen Anspruch einreicht und mit seinem Träger spricht, ist es wichtig, Notizen zu machen, damit er sich an das Gesagte erinnern kann, falls sein Anspruch abgelehnt wird. Sie sollten von allen Telefongesprächen Notizen machen (einschließlich Datum und Uhrzeit des Anrufs und was gesagt wurde) und die Person identifizieren, mit der sie gesprochen haben.

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Jedes Gespräch mit dem Träger sollte in einem per Einschreiben versandten Brief bestätigt werden, damit es keine Missverständnisse gibt. Die „Papierspur“ kann später als Beweismittel verwendet werden, um eine unangemessene Behandlung während des Antragsbearbeitungsprozesses nachzuweisen.

Beginnend mit dem ersten Telefongespräch mit dem Zusteller sollten die Ärzte ihre Gespräche und Besprechungen ausführlich dokumentieren und alles schriftlich per Einschreiben bestätigen.

Irrtum 2: Sie lassen sich von keinem Anwalt beraten

Angehörigen der Gesundheitsberufe, die erwägen, einen Antrag auf Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung zu stellen wird empfohlen, sich vor der Einreichung eines Zahlungsantrags mit einem auf diesem Gebiet erfahrenen Anwalt zu treffen.

Die Bestimmungen der Berufsunfähigkeitsversicherung unterscheiden sich hinsichtlich der verwendeten Sprache sehr stark, und die Deckung wird oft durch einschränkende Wörter und Ausdrücke eingeschränkt. Dementsprechend muss jede Versicherungspolice individuell überprüft werden, um festzustellen, ob ein bestimmter Anspruch gedeckt ist und, wenn ja, wie dieser Anspruch am besten dargestellt werden kann, um die Zahlung zu gewährleisten.

Ärzte sollten mit Hilfe eines Anwalts koordinierte Anstrengungen unternehmen, wenn sie ihre Versicherungspolice auslegen, ihren Anspruch geltend machen und anschließend ihrem Träger Informationen zukommen lassen.

Irrtum 3: Blinde Teilnahme an einer unabhängigen medizinischen Untersuchung

Nachdem Sie Ihren Antrag eingereicht haben, werden Sie möglicherweise aufgefordert, sich einer „unabhängigen“ medizinischen Untersuchung durch eine Person zu unterziehen, die von Ihrem Versicherungsträger ausgewählt und bezahlt wird.  Bevor Sie sich einer „unabhängigen“ medizinischen Untersuchung oder einer anderen Untersuchung unterziehen, müssen Sie zunächst sicherstellen, dass Ihr Versicherer das Recht hat, die Untersuchung in der Vertragssprache durchzuführen.

Beispielsweise wird eine neuropsychologische Untersuchung über mehrere Tage von einem Psychologen und nicht von einem Arzt durchgeführt, und die subjektiven Befunde einer solchen Untersuchung werden vom Versicherungsträger häufig dazu benutzt, Leistungen zu verweigern.

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Wenn Ihre Richtlinie vorschreibt, dass Sie sich nur „medizinischen Untersuchungen“ oder „ärztlichen Untersuchungen“ unterziehen müssen, gibt es sicherlich ein Argument, dass Sie sich nicht neuropsychologischen Tests unterziehen müssen.  Darüber hinaus möchten Sie vielleicht von einem Anwalt oder anderen rechtlichen oder medizinischen Vertretern begleitet werden, die Ihre „unabhängige“ medizinische Untersuchung überwachen können. Weitere Erwägungen sind u.a., den Lebenslauf des Untersuchers im Voraus zu erhalten, den Umfang der Untersuchung einzuschränken, um sicherzustellen, dass kein diagnostischer Test durchgeführt wird, der schmerzhaft, langwierig oder aufdringlich ist, die Untersuchung auf Video oder Tonband aufnehmen zu lassen und eine Kopie aller erstellten Notizen und Materialien zu erhalten.

Da die „unabhängige“ ärztliche Untersuchung ein Instrument ist, um Leistungen nach Möglichkeit zu verweigern, sollten Ärzte mit einem Anwalt zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass ihre Rechte während dieses Prozesses geschützt werden.

Irrtum 4:  Quantifizierung Ihrer Zeit

Sie sollten sich davor hüten, dass die Versicherungsgesellschaften Sie auffordern, Ihre Aktivitäten vor und nach der Arbeitsunfähigkeit prozentual aufzuteilen.  In dem Maße, in dem es eine Überschneidung gibt, werden Unternehmen oft Leistungen verweigern.  Es ist wichtig, dass Sie Ihre wichtigen Pflichten – und nicht Ihre Nebenpflichten – in groben Zügen beschreiben, damit Ihr Versicherer ein klares Verständnis für die Ausrichtung Ihres Berufs hat.

Zum Beispiel könnte ein Anästhesist bei der Beantwortung einer Frage zu den Hauptaufgaben und dem prozentualen Anteil der Zeit, die für jede Aufgabe aufgewendet wird, besser die Aussage „100% chirurgische Anästhesie“ treffen, als jede einzelne Nebenaufgabe (z.B. Patientenaufnahme, Beaufsichtigung des Pflegepersonals während der Operation, postoperative Besuche) in diskrete Prozentsätze aufzuteilen.  Der Grund dafür ist, dass Ihr Versicherer fälschlicherweise eine zufällige Aufgabe als „Hauptpflicht“ betrachtet und deshalb die Höhe Ihrer Leistungen herabsetzt.

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Irrtum 5: Unzureichende Kommunikation mit einem behandelnden Arzt

Die Versicherten sollten erst nach mehreren Besuchen ihren Anspruch oder die Tatsache, dass sie erwägen, Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung zu beantragen, mit ihrem Behandlungsanbieter besprechen.  Ein Arzt, der Sie ohne Erfolg behandelt hat, wird wahrscheinlich eher zur Kooperation bereit sein.

Es ist auch wichtig, dass Sie Ihrem behandelnden Arzt Ihre Symptome und Einschränkungen auf organisierte und detaillierte Weise mitteilen, so dass alle relevanten Informationen in Ihren Krankenakten festgehalten werden, die Ihre Krankenkasse letztendlich anfordern wird.

Wenn Sie schließlich mit Ihrem behandelnden Arzt über Ihren Anspruch sprechen, sollten Sie sicherstellen, dass Ihr behandelnder Arzt die Definition von „Behinderung“ im Sinne der Versicherungspolice versteht, die oft von der Definition abweicht, wie dieses Wort normalerweise verwendet wird, so dass er oder sie Ihre Arbeitsfähigkeit richtig einschätzen kann.

Gastbeitrag von Steffen Ebersbacher

Steffen Ebersbacher ist ein professioneller Redakteur und ein erfahrener Content Manager bei Preply.

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Veröffentlicht von: Roland

Hallo, ich bin Roland Richert, gelernter Versicherungsfachmann und Gründer von ProKlartexxt dem Versicherungs- und Finanz-TÜV. Hier bekommt ihr unabhängige Informationen und bei Bedarf kostenlose Beratung von unseren angeschlossenen Versicherungs- und Finanzexperten. Für einen ersten Check wurden von namhaften Unternehmen unterschiedliche Vergleichsrechner hinterlegt.

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