Gesetzliche Pflegeversicherung

In den nächsten Jahren werden Vermögensanlagen, Häuser und Lebenswerke der Betroffenen nicht vererbt, sondern den Pflegekosten zum Opfer fallen

Im Lauf ihres Lebens werden zwei von drei Frauen pflegebedürftig. Bei den Männern ist es rund jeder zweite. Die gesetzliche Pflege­versicherung über­nimmt einen Teil der Kosten für die Unterstüt­zung durch ehren­amtlich Pflegende wie Familien­mitglieder oder auch Pflegefach­kräfte. Hier lesen Sie alles rund um die gesetzliche Pflege­versicherung – von den Leistungen, dem Beitrags­satz bis zur Höhe des Beitrags.

 

Gesetzliche Pflege­versicherung seit 1996

Jeder Mensch, der in Deutsch­land gesetzlich oder privat kranken­versichert ist, ist auto­matisch auch pflege­versichert. Die gesetzliche Pflege­versicherung ist eine Pflicht­versicherung, sie gibt es seit 1996. Neben der gesetzlichen Unfall-, Kranken-, Arbeits­losen- und Renten­versicherung ist sie die jüngste Zweig der Sozial­versicherung. Die Vorschriften dazu stehen im Elften Sozialgesetz­buch, SGB XI. Mit der Pflege­versicherung abge­sichert sind gesetzlich und privat Versicherte, wenn sie mehr als sechs Monate auf Unterstüt­zung und Pflege einer anderen Person angewiesen sind. Die Pflege­versicherung deckt jedoch nicht das volle finanzielle Risiko ab. Nur ein Teil der Pflege­kosten für die häusliche und stationäre Pflege wird über­nommen. Die Höhe der Leistungen der Pflege­versicherung ist abhängig vom Grad der Pflegebedürftig­keit.

 

Das Wichtigste in Kürze

Beitrags­satz. Jeder der gesetzlich oder privat kranken­versichert ist, ist auto­matisch in der sozialen Pflege­versicherung versichert. Der gesetzlich fest­gelegte monatliche Beitrag liegt bei 3,05 Prozent des Brutto­einkommens für gesetzlich Versicherte mit Kindern und 3,3 Prozent für Kinder­lose (Stand 2019). Arbeit­geber über­nehmen die Hälfte der Beiträge, außer in Sachsen. Hier bezahlen Arbeitnehmer seit 1996 ein Prozent mehr. Dafür wurde der Feiertag Buß- und Bett­tag nicht abge­schafft.

Leistung auf Antrag. Jeder, der länger als sechs Monate auf Unterstüt­zung im Alltag angewiesen ist, erhält Leistungen aus der Pflege­versicherung. Notwendig ist ein Antrag auf Pflege­leistungen bei der Krankenkasse für gesetzlich Versicherte oder der Kranken­versicherung für privat Versicherte.

Pfle­gegrade. Im Pflege­gut­achten wird fest­gelegt, wie viel Hilfebedarf ein Mensch hat und wird in einen Pfle­gegrad einge­stuft. Der Pflegegrad bestimmt, welche Leistung in welcher Höhe er erhält.

Vielzahl an Leistungen. Neben dem Pflegegeld und der Pflege durch Pflegefach­kräfte gibt es weitere Leistungen, die ehren­amtlich Pflegende und pflegende Angehörige entlasten und ihnen die Pflege zuhause erleichtern sollen.

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