Euer Privat-Spion von ProKlartexxt

Forum

Hallo im Versicherungs- und Finanzforum von ProKlartexxt zusammengestellt von Roland Richert und unserem privaten Spion für Versicherungs- und Finanzfragen.

*Bitte habt Verständnis dafür das wir die Identität unseres Spion geheim halten müssen!

Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Versicherungs- und Finanzbranche informieren unser Spion und ich hier unabhängig und kostenlos über Tops und Flops der Versicherungs- und Finanzbranche.

 

Pflege: Eine Frage der Pflicht  

  RSS

 Roland
(@roland)
Mitglied Admin
Beigetreten: 3 Jahren zuvor
Beiträge: 60
12. Juli 2019 9:45  

Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig. Nicht einmal fünf Prozent der Bevölkerung besitzen eine Pflegezusatzversicherung. Der Vertrieb macht einen Bogen um das Thema. Dabei sollte es fester Bestandteil einer Beratung im Bereich Altersvorsorge sein.
“Jedes dritte Mädchen wird 100 Jahre alt”. Ohne Zweifel war das eine öffentlichkeitswirksame Pressemeldung, mit der die Initiative “Sieben Jahre länger leben”, kurz nach Ostern an die Öffentlichkeit ging.

“Selbst 100 scheint kein Alter mehr”, schrieb die Organisation, hinter der sich die deutsche Versicherungswirtschaft wie auch der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) verbergen.

Im Auftrag von “Sieben Jahre länger leben” hatte das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) berechnet, wie sich die Lebenserwartung in Deutschland in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Immer mehr Hundertjährige

Die Ergebnisse zeigen: Ein 100. Geburtstag wird – für Frauen – in Zukunft eher die Regel, denn eine Ausnahme. Nach den von den Rostocker Wissenschaftlern ermittelten Zahlen erreichen neugeborene Frauen in Deutschland ein Alter von durchschnittlich 94,8 Jahren.

Die Lebenserwartung der Männer beträgt 88,6 Jahre. “Ein Alter von 90 wird in Zukunft völlig normal”, sagt Dmitri Jdanov, verantwortlicher Wissenschaftler am Max-Planck-Institut.

Eigentlich sind die Prognosen der Wissenschaftler ein Grund zur Freude. Doch auch diese Medaille hat ein Revers. Denn mit der steigenden Lebenserwartung wird sich auch das Risiko erhöhen, zum Pflegefall zu werden.
Zerreißprobe für das Pflegesystem

Die Zahlen des Statistik Portals Statista sprechen hier eine deutliche Sprache. Im Dezember 2017 waren hierzulande rund 3,41 Millionen Menschen pflegebedürftig. Bis zum Ende der kommenden Dekade wird die Zahl der Betroffenen auf 3,55 Millionen Menschen anwachsen. Davon leidet die Hälfte an Demenz.

In den nächsten 15 Jahren werden rund 7,5 Millionen Menschen erstmalig Pflegeleistungen erhalten. “Davon betroffen sind – vorsichtig gerechnet – zwei Angehörige. Das heißt, es gibt ein Potenzial von rund 15 Millionen Menschen, die mittelbar mit der Pflege konfrontiert werden”, sagt Dr. Rainer Reitzler, Vorstandsvorsitzender des Münchener Vereins.

Hinzu komme, dass die Babyboomer langsam in das Pflegealter kämen, bei gleichzeitigem Rückgang der Erwerbstätigenquote. “Das alles wird in den nächsten Jahren zur Zerreißprobe für das Pflegesystem”, warnt Reitzler.
Dabei ist das System bereits heute deutlich strapaziert: Besonders das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II), das zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten ist, hat zu einer “unerwarteten” Kostenexplosion bei der Pflegeversicherung geführt.

Rückblick: “Mit dem Inkrafttreten des PSG ist es nun sehr viel mehr Menschen möglich, Leistung aus der gesetzlichen Pflegeversicherung zu beziehen”, erklärt Jan Dinner, Geschäftsführer des Insuro Maklerservice.

Dass die Zahl der Leistungsempfänger zwischen Dezember 2015 und Dezember 2017 um 550.000 gestiegen sei, sei zu einem großen Teil auf die Einführung der neuen, weiter gefassten Definition von Pflegebedürftigkeit zurückzuführen.
Pflegekasse mit Milliardenverlusten

“Letztlich sind mehr Menschen zu Leistungsempfängern geworden, als das Ministerium und die Politik erwartet haben“, sagt denn auch Daniel Bahr, der zwischen 2011 und 2013 Bundesgesundheitsminister war und nun Vorstand der Allianz Krankenversicherung ist, im Interview mit Cash.

Allein von 2016 auf 2017 – dem Jahr des Inkrafttretens des PSG II – kletterten die Ausgaben in der gesetzlichen Pflegeversicherung um 7,25 Milliarden Euro auf über 35,5 Milliarden Euro. Auf der Kostenseite hat das Gesetz insbesondere im Jahr 2018 zu einer deutlichen Schieflage geführt.

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes belief sich das Minus in der Pflegekasse auf 3,55 Milliarden Euro. Nicht umsonst wurde daher der Beitrag zu Jahresbeginn um 0,5 Prozentpunkte erhöht. Auf nunmehr 3,05 Prozent für Erwerbstätige mit Kindern. Kinderlose zahlen 3,3 Prozent.
Schiff hat Schlagseite

Dem Staat dürfte die leichte Korrektur rund 7,6 Milliarden Euro Mehreinnahmen bescheren. Mit der Anhebung seien die steigenden Ausgaben für mehr Leistungsempfänger sowie für mehr Pflegekräfte und deren bessere Bezahlung wohl bis 2022 gedeckt, zeigt sich Bertelsmann-Studienleiter Dr. Stefan Etgeton überzeugt. Dennoch hat das Schiff immer noch Schlagseite.

“Nach der erneuten Anhebung des Beitrags mit Beginn des Jahres 2019 könnte der Eindruck entstehen, die Versorgung in diesem Bereich sein nun dauerhaft sichergestellt. Unsere Berechnungen zeigen aber, dass das auf längere Sicht nicht der Fall ist, wenn es bei den Rahmenbedingungen bleibt, die wir heute haben. Zur nachhaltigen Sicherung der Pflege bedarf es zusätzlicher Maßnahmen”, fordert Etgeton.
Den Berechnungen der Stiftung zufolge dürften die Ausgaben ab 2025 aufgrund des demografischen Wandels stärker wachsen als die Einnahmen.

Etgeton: “Ändert sich rechtlich nichts an der Finanzierung der Pflege, müsste der Betragssatz zur sozialen Pflegeversicherung bis zum Jahr 2045 von derzeit 3,05 auf 4,25 Prozent klettern.” Bei einem heutigen Durchschnittseinkommen wären das 550 Euro mehr im Jahr für die Pflegeversicherung.
Pflegenotstand ist programmiert

Die soziale Pflegeversicherung, vor 25 Jahren als die berühmte fünfte Säule der gesetzlichen Sozialversicherung eingeführt, wankt spürbar.

Eindringlich warnt DFV-Vorstandschef Dr. Stefan M. Knoll: “Allein in den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland verdoppelt. Der Pflegenotstand ist programmiert. Wir steuern direkt auf eine Katastrophe zu und die Politik hat keine geeignete Strategie, dieser Herausforderung entgegenzutreten.”

Ein großes Problem sei, dass sich die Menschen der Situation nicht bewusst seien und sie die Kosten, die im Pflegefall auf sie zukommen, unterschätzen.
Bundesbürger unterschätzen Kosten

Laut einer aktuellen Studie der Postbank gehen 43 Prozent aller Deutschen davon aus, dass die gesetzliche Pflegeversicherung sämtliche Kosten übernimmt. Weitere 21 Prozent unterschätzen die Höhe der zu leistenden Zuzahlung deutlich und gehen von einem Betrag von weniger als 1.000 Euro aus.

Damit liegen die Bundesbürger voll daneben. “Zwar zahlen Berufstätige und Rentner Beiträge in die gesetzliche Pflegeversicherung ein, diese ist jedoch grundsätzlich nicht auf volle Kostendeckung ausgelegt – das heißt, dass von ihr nur Zuschüsse zu den tatsächlichen Pflegekosten geleistet werden”, erklärt Anja Maultzsch von der Postbank.

“Für diesen Eigenanteil müssen Pflegebedürftige im Bedarfsfall nicht nur ihre Rente, sondern auch vorhandene Ersparnisse und Vermögenswerte einsetzen. Besitzen sie etwa Wohneigentum, müssen sie es unter Umständen verkaufen, um die Pflegekosten zu begleichen.”
Laut Postbank-Umfrage sind zwei von drei Deutschen (66 Prozent) zwar dazu bereit, ihre laufenden Einnahmen und Ersparnisse für die Finanzierung ihrer Pflege zu nutzen. Knapp jeder Zweite (46 Prozent) findet es allerdings nicht richtig, dass dies gesetzlich vorgeschrieben ist.

Was viele dabei vergessen: Wenn die finanziellen Mittel des Pflegebedürftigen nicht ausreichen, sind seine Kinder dazu verpflichtet, die Kosten im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten zu tragen.

“Viele Bürger verdrängen, dass die Pflegepflichtversicherung bei Pflegebedürftigkeit finanziell nicht ausreicht. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass eine stationäre Versorgung mit 2.500 bis 5.000 Euro pro Monat ins Kontor schlägt, je nach Region”, gibt Dr. Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der Ergo-Tochter Deutsche Krankenversicherung (DKV), zu bedenken.

Die Pflegepflichtversicherung übernimmt, abhängig vom Pflegegrad, bis zu rund 2.000 Euro. Was bleibt, ist nicht selten eine massive Versorgungslücke. Für viele eine enorme finanzielle Belastung.”
Ist die Pflegeversicherung ein Polit-Desaster?

“So wird der Pflegefall zur Armutsfalle”, wettert Knoll. Schuld daran sei die Politik, namentlich der Bundesgesundheitsminister Spahn.

“Er klärt die Bürgerinnen und Bürger nicht über die Pflegeproblematik auf – im Gegenteil. Er vermittelt den Eindruck, dass der Staat die Situation im Griff hat. Dabei wird dieser gerade selbst zum Pflegefall. Er kann die Pflege genauso wenig finanzieren, wie er die Bundeswehr neu organisieren oder ein Segelschiff renovieren kann”, so Knoll.

Die Pflegeversicherung, ein Polit-Desaster à la “Gorch Fock”? Weil der Staat nicht willens ist, das System zu reformieren. “Mitte der 90er-Jahre ist die Entscheidung getroffen worden, die Pflegekasse im Umlagesystem zu finanzieren. Und auch damals kannte man bereits die Altersentwicklung der Bevölkerung. Heute kann man sagen, die Umlagefinanzierung war eine Fehlentscheidung”, bestätigt Daniel Bahr im Interview.

Heute sei dies nur schwer zu korrigieren. “Denn um kommende Generationen zu entlasten, müsste man die Beitragszahler heute in Breite mehr belasten. So etwas ist nur schwer durchsetzbar. Leider”, erklärt Bahr.


AntwortZitat
Share:
Follow me

Roland

Geschäftsführer und Mädchen für bei ProFair24
Hallo,
ich bin Roland Richert, Gründer und Mädchen für alles bei ProKlartexxt dem Versicherungs- und Finanzmagazin. Als gelernter Versicherungsfutzi biete ich kostenlose Informationen zu Versicherungen und Finanzen.
Ich verkaufe keine Versicherungs- und/oder Finanzprodukte, hierfür stelle ich Euch nur Vergleichsrechner von namhaften Unternehmen zur Verfügung.
Follow me