Vorsicht bei Girokonten mit Nullzins-Dispo – Banken bitten ins Pump-Paradies

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Kompletter Pressetext als PDF-Anlage oder im Internet unter www.verbraucherzentrale.nrw/dispo

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Das Girokonto bis zum vereinbarten Dispo überziehen, ohne Zinsen zahlen zu müssen – das ist bei einigen Geldinstituten tatsächlich möglich. Die Verbraucherzentrale NRW hat drei Angebote unter die Lupe genommen und warnt vor Tücken und Gefahren.

Die Targobank preist ihre „Dispo-Freigrenze“ als kundenfreundliches Extra: „Bei kleinen Überziehungen drücken wir bei unseren Girokonten ein Auge zu“, heißt es auf der Internetseite. Wer ins Minus rutscht und die Freigrenze nicht überschreitet, muss keine Dispozinsen zahlen.

Doch die Realität ist eher ernüchternd. Je nach Kontomodell liegt die straflose Freigrenze bei höchstens 200 Euro. Wer das ab 600 Euro Gehaltseingang kostenlose Onlinekonto nutzt, darf sogar lediglich 50 Euro ins Soll rutschen, ohne Zinsen berappen zu müssen.

Besonders tricky: Wird das Limit überschritten, kassiert die Targobank auch für die unterhalb der Freigrenze liegenden Beträge Dispozinsen ab.

Und was bringt´s? Die Verbraucherzentrale hat die maximale Ersparnis errechnet: wenn das Onlinekonto das ganze Jahr über exakt bei minus 49,99 Euro steht. Wer das schafft, spart beim aktuellen Disposatz von 7,47 Prozent mickrige 31 Cent pro Monat. Das reicht nicht nicht mal für ein Vollkornbrötchen, geschweige denn eine Eiskugel. Mithin sollte die Targo-“Freigrenze“ kein hinreichender Grund für den Kontowechsel sein.

Großzügiger zeigt sich da scheinbar die Skatbank bei ihrem „Flat-Konto“: Ab einem monatlichen Gehaltseingang von 1250 Euro gewährt das Institut einen zinsfreien Disporahmen von 2500 Euro. Haken nur: Das Konto kostet. Während die Skatbank für ihr „Trumpf-Konto“ 4,17 Prozent Dispozins bei null Euro Kontogebühr aufruft, verlangt sie für das zinsfreie Flat-Konto 7,50 Euro pro Monat.

Wieder ein Fall für den Verbraucherschutz-Rechner. Und der spuckt Erstaunliches aus. Wer beim kostenlosen Trumpf-Konto 50 Tage im Jahr mit durchschnittlich 1000 Euro in den Miesen steht, zahlt dafür insgesamt 5,79 Euro Zinsen.

Das Jahresentgelt für die Kontoführung beim Flat-Konto summiert sich dagegen auf satte 90 Euro – mehr als das 15fache. Selbst wer 1000 Euro permanent das Jahr über im roten Bereich lässt, ist mit weniger als der Hälfte (41,70 Euro) dabei.

Den höchsten zinsfreien Dispo im Verbraucherzentrale-Check bietet die GLS Bank, ein genossenschaftliches Geldinstitut mit nachhaltiger Ausrichtung. Das Angebot, das hier seit Anfang des Jahres gilt: kostenloser Kredit innerhalb des vereinbarten Disporahmens bis zu einer Obergrenze von satten 10.000 Euro. Erst für darüber hinaus gehende Beträge fällt ein Dispozins von 7,05 Prozent an.

Als „hochgradig flexibel“ preist die GLS ihr „Privatgirokonto“ an. Natürlich hat der Eintritt ins nachhaltige Pump-Paradies seinen Preis: Monatlich 3,80 Euro plus einen sogenannten „GLS-Beitrag“ von fünf Euro zahlen Kunde ab 28 Jahren. Das macht zusammen 105,60 Euro im Jahr.

Eine Hammer-Summe – mit fataler Signalwirkung. Denn Schuldner könnten es auch so sehen: Bei permanenter Vollausschöpfung von beispielsweise 10.000 Euro fallen gerade mal rund ein Prozent Kreditzinsen an – und das Konto gibt´s gratis dazu. Eine nachhaltige Schuldenfalle für anfällige Kunden.

Denn ein Dispokredit sollte allein für die Überbrückung von kurzfristigen Engpässen eingesetzt und keinesfalls dauerhaft in Anspruch genommen werden. Schließlich schwebt über jedem Nullzins-Angebot ein Damoklesschwert: Banken können ihre Konditionen jederzeit ändern. Und dann droht, etwa bei einem Anstieg der Marktzinsen, die teure Umschuldung des vermeintlichen Schnäppchen-Dispos.

Sinnvoller ist daher: Wer dauerhaft kräftig im Minus steckt, sollte besser direkt auf einen Ratenkredit umsteigen. Die gleichbleibenden Monatsraten helfen beim disziplinierten Schuldenabbau. Allerdings sollte der Dispo keinesfalls erneut für weitere Schulden herhalten.

Insbesondere sollten die Raten des Kredites bezahlbar sein und nicht aus dem Dispo gezahlt werden.

Und: Der Festzins, der bei günstigen Banken aktuell weniger als vier Prozent beträgt, bleibt erhalten, wenn die Zinsen steigen.

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Aktuelle Erhebung der Dispozinsen in Bremen und Bremerhaven

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„Alternativen zum teuren Dispo gibt es“, so Hartmut Schwarz, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen.

„Alternativen zum teuren Dispo gibt es“, so Hartmut Schwarz, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen.

Trotz dauerhaft niedriger Zinsen im Euroraum ist bei den Dispozinsen kaum Bewegung festzustellen

  • Aktuelle Erhebung der Dispozinsen in Bremen und Bremerhaven
  • Verbraucherzentrale Bremen fordert Deckelung
  • Alternativen zum teuren Dispozins sind Ratenkredit oder Familiendarlehen

Bremen. Eine aktuelle Erhebung der Dispozinsen in Bremen und Bremerhaven der Verbraucherzentrale Bremen mit Stand 14.06.2017 zeigt, dass es immer noch wenig Bewegung bei den Dispozinsen in der Region gibt.

Immerhin sieben von den 15 Banken haben die Dispozinssätze seit dem Oktober 2016 gesenkt, die anderen acht Banken haben ihre Zinssätze gar nicht verändert. Die aktuellen Veränderungen bewegen sich zwischen 3 und 26 Basispunkte, lediglich die Commerzbank hat eine Senkung um 0,75 Prozent vorgenommen. Die aktuellen Zinssätze bewegen sich zwischen 7,16 und 12,43 Prozent. Obwohl der Leitzins seit März 2016 bei null Prozent liegt, verlangen einzelne Kreditinstitute immer noch zweistellige Zinsen, wenn Kunden mit dem Konto ins Minus rutschen.

„Hohe Dispozinsen sind angesichts historisch niedriger Leitzinsen ein Ärgernis und zeigt, dass der Wettbewerb nur begrenzt funktioniert“, so Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. „Tatsache ist, dass die Kreditinstitute sich günstig Geld leihen können und diesen Vorteil nicht an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben. Nur eine gesetzliche Deckelung kann diese Abzocke beenden. Die Verbraucherzentrale Bremen wird diese Entwicklung beobachten und die Marktübersicht weiterhin veröffentlichen,“ ergänzt Oelmann.

„Alternativen zum teuren Dispo gibt es“, so Hartmut Schwarz, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. „Am besten ist natürlich, vorher das Geld zu Sparen und keinen teuren Kredit zu benötigen. Als günstigere Alternative zum Dispokredit können ein Ratenkredit oder ein Familiendarlehen in Frage kommen“, sagt Schwarz. Auch ein Bankenwechsel zu einem Anbieter mit günstigeren Dispozinsen ist sinnvoll, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher regelmäßig den Dispo nutzen.

Schuldnerberatungen oder Verbraucherzentralen beraten Verbraucherinnen und Verbraucher unabhängig zum Thema. Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.verbraucherzentrale-bremen.de/hohe-dispozinsen

Die Übersicht der aktuellen Zahlen finden Sie auf der Webseite der Verbraucherzentrale Bremen:

www.verbraucherzentrale-bremen.de/aktuelle-presseinfos

 

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